
Der Flug in die Ferien ist einer von denen, bei denen zwischendurch eine Kleinigkeit serviert wird. Wenn man für sie extra zahlt. „Onboard Delights“ nennt die Fluggesellschaft das, was von den Stewardessen gegen Kartenzahlung aus dem Wägelchen geholt wird.
Das versprochene Entzücken löst das Angebot beim Fluggast durchaus aus. Das „Oktoberfest Special“ mit einem Bier und einer Laugenbrezel, das schon im September zu haben ist, kostet nur einige Euro, es gibt Sekt, Champagner, einen Aperitif, Chips und Knabberkram. Am Himmel geht es in besserer Stimmung dem Ferienziel entgegen als zehn Kilometer weiter unten auf den Schienen der Deutschen Bahn. Die hat in ihren Speisewagen zwar noch warme Gerichte im Angebot, ihre Karte aber stark ausgedünnt.
Sie ist also durchaus da, die Freude am kleinen Vergnügen auf dem Weg in den Urlaub. Aber da ist auch die dunkle Seite des Passagierflugs: das Misstrauen des leidgeprüften Konsumenten, der hinter dem einen Trick, mit dem ihm Geld genommen wird, schon den nächsten vermutet.
Denn über den Wolken ist die Freiheit, anders als von Reinhard Mey in seinem Chanson besungen, keineswegs grenzenlos. Sondern exakt durch die Notwendigkeit bestimmt, mit dem Passagier, hat man ihn denn erst einmal zu fassen, Geld zu verdienen.
Der Flug vergeht deswegen mit Gedankenspielen dazu, was unten im Terminal oder oben im Airbus als Nächstes hinter die Bezahlschranke kommt. Für Gepäck und Sitzplätze gibt es beim Buchen ja schon allerlei Tricks mit Grundpreis und Aufschlag.
Wohin wird die Monetarisierung des Reisenden noch führen? Als Erstes wird die kleine Mineralwasserflasche gestrichen, die zu Beginn des Fluges kostenlos verteilt wird, dann die Schokoladentafel gegen Ende der Reise. Aber irgendwann wird auch das nicht mehr reichen. Was kommt dann? Ganz klar: die Bordtoilette.
Irgendwann, sagt der Passagier sich zynisch, wird es so weit sein. Dann kommt nach der automatisierten Ansage zu den Turbulenzen, die während des Fluges jederzeit auftreten können, eine zweite, in der es heißt: „Gegen ein geringes Entgelt steht Ihnen im hinteren Flugzeugteil unser WC zur Verfügung.“ Dem Hinweis darauf, dass der Eintritt nur gegen Karte möglich ist, folgt die Durchsage: „Das Bordpersonal ist Ihnen beim Einchecken gerne behilflich.“
Mit der Folge, dass an Bord einiges, das sich zunächst nichtig und klein ausnimmt, plötzlich groß und wichtig wird. Und die Passagiere, die sich nicht wie bei der Autofahrt in die Ferien am Rande der Straße in die Büsche schlagen können, zahlen und zahlen. Zum Entzücken der Airlines.
