
Solange nichts unterschrieben ist, gilt es, vorsichtig zu bleiben. Aber eine Einigung zwischen Washington und Kopenhagen über den künftigen Status Grönlands wäre nach dem vorausgegangenen Drama eine gute Nachricht.
Die Vereinigten Staaten erkennen in dieser Zeit zu ihrem Schaden die Grenzen ihrer Macht. Daraus folgt nicht, dass Präsident Donald Trump nun zu einem Heros der Kooperation mit langjährigen Partnern mutiert. Aber offenbar ist er einsichtsfähig genug, um zu erkennen, dass die Zusammenarbeit auch im Interesse der Vereinigten Staaten liegen kann.
Amerikanische Überbeanspruchung
Gemessen an den vollmundigen Erklärungen zu Beginn, erweist sich der Irankrieg zunehmend als ein Fiasko auch auf wirtschaftlichem Gebiet. Die amerikanischen Waffenschmieden tun sich schwer, rasch Nachschub für die verschossenen Raketen zu produzieren. Das ermuntert die Huthi zu ihrem verderblichen Treiben.
Kriegsbedingte Beschränkungen der Raffinerie-Kapazitäten lassen die Preise für Treibstoffe rund um den Globus deutlich steigen. In den Vereinigten Staaten sah sich daher die Notenbank zu einer Zinserhöhung gezwungen, obwohl Trump niedrigere Zinsen verlangt. In den steigenden Renditen für amerikanische Staatsanleihen drückt sich neben der Konkurrenz durch Anleihen von KI-Konzernen auch die höhere Inflation und ein zunehmendes Unbehagen über die ausufernde amerikanische Staatsverschuldung aus.
Trump wird gegenüber jahrzehntelangen Partnern der Vereinigten Staaten, die er gewöhnlich nur als Kostgänger Amerikas wahrnimmt, weiterhin keine Milde zeigen. Das muss er auch nicht. Es reicht, wenn er erkennt, dass angesichts des autokratischen Quartetts aus China, Russland, Iran und Nordkorea den Vereinigten Staaten weder die Option einer Konfrontation im Alleingang noch der Rückzug auf den amerikanischen Doppelkontinent bleibt.
Ein Scheitern der Vereinigten Staaten liegt weder im wirtschaftlichen noch im sicherheitspolitischen Interesse der Europäer. Allerdings arbeitet der alte Kontinent immer noch viel zu unentschlossen an seinen Schwächen. Doch je stärker er sich präsentiert, umso selbstbewusster kann er in Gespräche mit dem Mann im Weißen Haus treten.
Aber selbst unter Druck schaffen es die Europäer nicht, wichtige Projekte wie die Kapitalmarktunion oder die Vollendung des Binnenmarkts endlich energisch anzupacken. Wenn sie sich von Trump schlecht behandelt fühlen, liegt es nicht immer nur am amerikanischen Präsidenten.
