
Die meisten Schulen haben keine Klimaanlagen und heizen sich bei hochsommerlichen Temperaturen unweigerlich auf. Doch einige Schulen in Frankfurt sind in früheren Bürohäusern untergebracht, die vor ihrem Umbau zu Schulgebäuden vollklimatisiert waren. Diese Schulen könnten durchaus auf Klimaanlagen zurückgreifen, um ihre Räume zu kühlen – wenn man sie denn ließe.
Doch in Frankfurt ist das aus politischen Gründen nicht erwünscht. Vor dem Umzug der Schulen in diese Bürohäuser hat die Stadt veranlasst, dass die vorhandenen Klimaanlagen entweder ausgebaut oder aber nicht eingeschaltet werden. Das erinnert an einen Schildbürgerstreich.
Die Klimaanlagen verbrauchen viel Strom und verursachen hohe Energiekosten. Doch diese Abwehrhaltung ist nicht mehr zeitgemäß. Nach den großen Hitzewellen in diesem Sommer ist eine Debatte über die Kühlung der Schulen entbrannt. Die Grünen im Bundestag fordern, einen Teil des Sondervermögens zu verwenden, um in Schulen und Kitas „Klima-Solar-Anlagen“ zu installieren. Sie wollen Klimaanlagen in jeder Schule und jeder Kita, möglichst mit Strom vom eigenen Solardach.
Die Stadt muss nun nachverhandeln
Es klingt sinnvoll, die Klassenzimmer im Hochsommer mit Solarstrom vom Dach zu kühlen. Das mag im Neubau funktionieren, doch die Nachrüstung bestehender Schulen ist umständlicher. Falls dort Klimaanlagen aber schon vorhanden sind, sollte die Stadt pragmatisch sein. Eltern ist es kaum zu vermitteln, dass ihre Kinder schwitzen müssen und Lehrer kurz vor dem Hitzekollaps stehen, obwohl der Hausmeister rein theoretisch in den Keller gehen und die Klimaanlage anschalten könnte.
Doch auf Knopfdruck geht das nicht. Bei dem riesigen Bürohaus „Neue Börse“ beispielsweise, in dem drei Schulen untergebracht sind, wurde die Nutzung der Klimaanlage aus dem Mietvertrag ausgeklammert. Nun muss die Stadt Frankfurt nachverhandeln, zu welchen Bedingungen und Kosten sie die Anlage nutzen kann. Angeblich verlangt der Eigentümer dafür eine horrende Summe. Die Rede ist von 30.000 Euro – am Tag.
Schüler brauchen im Hochsommer erträgliche Bedingungen, um lernen zu können. Die Stadt muss mit der Klimatisierung der Gebäude pragmatischer umgehen und darf sich mit gut gemeinten, aber realitätsfernen Richtlinien nicht selbst Steine in den Weg legen.
Natürlich wäre es wünschenswert, wenn alle Schulgebäude umweltfreundlich „passiv“ gekühlt werden könnten. Aber es reicht bei den immer häufiger werdenden Hitzewellen leider nicht mehr aus, nachts die Fenster aufzureißen und für Durchzug zu sorgen. Und warum sollte man Schülern verwehren, was man Arbeitnehmern gestattet? Jedes halbwegs moderne Bürogebäude verfügt schließlich auch über eine Klimaanlage. Falls die Stadt sie nicht ausbauen lässt, bevor die Schüler kommen.
