
Die Weltbankgruppe hat im Geschäftsjahr 2026 so viel privates Kapital mobilisiert wie nie zuvor. Wie das Entwicklungshilfe-Institut weiter mitteilte, stieg das Volumen binnen vier Jahren von 35 auf 112 Milliarden Dollar. Zusammen mit eigenen Finanzierungen brachte die Weltbank damit mehr als 200 Milliarden Dollar in Entwicklungs- und Schwellenländer. Damit löst Weltbank-Chef Ajay Banga eines der großen Versprechen ein, die er zum Amtsantritt vor drei Jahren gegeben hatte.
Allerdings kam das mobilisierte Privatkapital vor allem in Ländern mit mittlerem Einkommen zugute: In der unteren Einkommensgruppe wuchs die Summe von 14 auf 37 Milliarden Dollar, in der oberen von zwölf auf 50 Milliarden. In Afrika stieg das Privatkapital von rund neun auf 22 Milliarden Dollar. Für die ärmsten Länder allerdings blieb das Niveau an mobilisiertem Privatkapital gleich: Niedrigeinkommensländer bezogen etwa drei Milliarden Dollar und damit so viel wie im Vorjahr.
Die Mobilisierung privaten Kapitals gewinnt an Bedeutung, weil Industrieländer ihre Entwicklungshilfe reduzieren und hohen Zinsen und Schuldenlasten den ärmeren Ländern die Refinanzierung an Kapitalmärkten erschweren. Das Hauptinstrument dafür sind Garantien. Damit übernimmt die Bank Teile des Investitionsrisikos der privaten Geldgeber. In diesem Jahr vergab sie Garantien von mehr als 25 Milliarden Dollar und übertraf damit ihr für 2030 gesetztes Jahresziel von 20 Milliarden vier Jahre früher. Früher lag das Volumen unter zehn Milliarden. Die Bank führt den Anstieg auf Reformen zurück: schnellere Verfahren, engere Verzahnung von öffentlichem und privatem Arm sowie mehr Garantien und Finanzierungen in lokalen Währungen.
„Jobs, Jobs, Jobs“ ist das neue Mantra der Weltbank
Die Weltbank stellt unter Banga die Schaffung von Arbeitsplätzen ins Zentrum ihrer Strategie. In den kommenden zehn bis 15 Jahren erreichen in Entwicklungsländern 1,2 Milliarden junge Menschen das Erwerbsalter, während nur rund 420 Millionen neue Stellen erwartet werden. Neun von zehn Arbeitsplätzen entstehen dort nach Angaben der Bank im Privatsektor. Damit verschwindet der Fokus auf Klimaprojekte.
Noch 2025 überstieg die Klimafinanzierung multilateraler Entwicklungsbanken für Länder mit niedrigem und mittlerem Einkommen 103 Milliarden Dollar – fast die Hälfte ihrer gesamten Finanzierungen. Allein die Weltbank verwendete 48 Prozent ihrer Kredite für Klimaprojekte.
Der in diesem Jahr ausgeschiedene Chefvolkswirt der Weltbank, Indermit Gill, hatte sich kürzlich deutlich in einem Meinungsbeitrag für das Wall Street Journal von der Klimapolitik der Weltbank distanziert: „Die Banken redeten sich wie viele Entwicklungsorganisationen ein, Klimapolitik sei für arme Menschen besonders wichtig, weil sie unter dem Klimawandel stärker litten“, schrieb er.
Die Logik sei verführerisch, aber falsch. Arme Menschen seien für alles anfälliger – Krankheiten, Hunger, marode Infrastruktur und wirtschaftliche Schocks. Entscheidend ist laut Gill deshalb die Frage, ob Klimapolitik ihnen am besten hilft. Bei genauer Prüfung schnitten klassische Entwicklungspolitik wie Armutsbekämpfung und bessere Gesundheitsversorgung deutlich besser ab.
