Endlich
Ruhe. Endlich Stille. Man spürt sofort das innerliche Aufatmen – bei sich selbst
und bei all den anderen Besucherinnen und Besuchern um einen herum –, wenn man die Vilhelm-Hammershøi-Ausstellung im Kunsthaus Zürich betritt. Selten hat eine
Ausstellung aus der Vergangenheit so den Nerv einer Gegenwart getroffen wie
diese. Die Zeitungen jubeln, in den sozialen Medien wird die heilende Wirkung
der Bilder mit dem Gang nach Lourdes verglichen.
Es
scheint, als wären die verschachtelten Räume im Untergeschoss des Kunsthauses
eine Art Escape-Room für eine überreizte Digitalgesellschaft, die sich aus
ihrer eigenen Unruhe und Unsicherheit zurückflüchten möchte in die kühlen Räume
in der Strandgade 30 in Kopenhagen, wo um 1900 der kauzige dänische Maler
Vilhelm Hammershøi tagein, tagaus seine Wohnung malte. Mal die Türen, mal die
Kommoden, mal das einfallende Licht. Oft steht seine Frau Ida in den Räumen,
von hinten gesehen, aber sie ist mehr ein Geist als ein Mensch, eine Fee, die
einen sanft an die Hand nimmt, um einen aus der Gegenwart des Jahres 2026 zu
erlösen. Was also ist da los?
