
Nigerias Militär hat bei einem Luftangriff nach Angaben der Menschenrechtsorganisation Amnesty International abermals mehr als 100 Zivilisten getötet. Augenzeugen zufolge bombardierten Kampfflugzeuge am Sonntag einen Wochenmarkt in Tumfa im nordwestlichen Bundesstaat Zamfara.
Aus einem der umliegenden Dörfer seien 80 Bestattungen gemeldet worden, weitere Leichen würden noch geborgen, teilte die Menschenrechtsorganisation mit. Dutzende würden zudem in Krankenhäusern behandelt. „Die Behörden müssen diese tödlichen Angriffe als Kriegsverbrechen untersuchen und den rücksichtslosen Angriffen auf Zivilisten ein Ende setzen“, forderte Amnesty International.
Das Militär sprach von einem präzisen Luftschlag auf einen Treffpunkt von Terroristen am Dorfrand. Im Nordwesten Nigerias sind islamistische Terroristen und kriminelle Gruppen aktiv.
USA unterstützen Nigeria im Anti-Terror-Kampf
Es ist bereits der zweite Angriff binnen eines Monats. Im April wurden mehr als 100 Zivilisten getötet, als das Militär einen Markt in Jilli im Nordosten des Landes bombardierte. Die Armee sprach zunächst von einem Terroristenstützpunkt als Ziel. Später wurde eine Untersuchung angeordnet.
Das nigerianische Militär stützt sich stark auf Luftangriffe zur Bekämpfung von Dschihadisten, die seit 16 Jahren vor allem im Nordosten Nigerias gegen den Staat kämpfen. Mehrfach wurden bei fehlgeleiteten Schlägen auch Zivilisten getötet, etwa bei einem Luftangriff auf ein Lager für Binnenflüchtlinge im Jahr 2017. Auch in anderen Regionen Nigerias verüben bewaffnete Gruppen immer wieder schwere Angriffe.
Die Vereinigten Staaten unterstützen das Land seit kurzem verstärkt im Anti-Terror-Kampf. Die USA griffen an Weihnachten des vergangenen Jahres mutmaßlich islamistische Stützpunkte im Nordwesten Nigerias an. Zuvor hatte Amerikas Präsident Donald Trump Nigeria vorgeworfen, Christen nicht ausreichend zu schützen. Mitte Februar trafen rund 100 US-Soldaten im Land ein, die nigerianische Streitkräfte ausbilden und beraten sollen.
