
Der Klimawandel bleibt mit Abstand das von Unternehmen und Vermögensverwaltern am stärksten beachtete Umweltrisiko. Doch eine wachsende Zahl beschäftigt sich zunehmend intensiv mit Natur-bezogenen Risiken wie dem Verlust an Biodiversität und einer Versorgung mit sauberem Wasser. Das zeigt der diesjährige „TNFD Status Report“, der am Montagabend veröffentlicht wurde. Die Taskforce for nature-related financial disclosure versorgt Unternehmen und Finanzmärkte mit besseren Informationen über den Einfluss der Natur auf ihr Geschäft und bemüht sich darum, Kennziffern zu standardisieren.
Gut 62 Prozent der Unternehmen des S&P Global Broad Market Index haben nach Daten des Indexanbieters in ihrem Geschäftsmodell eine starke Abhängigkeit von der Natur. Geopolitik und Inflation seien auf der Agenda nach oben gerückt, schreiben die Studienautoren. Dennoch dürften Natur-bezogene Gefahren nicht ignoriert werden. „Eine Klima-zuerst-Natur-später-Antwort berücksichtigt nicht den Charakter planetarer Systeme: Sie sind eng miteinander verknüpft“, heißt es in dem Report.
Tatsächlich wächst die Zahl der Unternehmen, die nach den TNFD-Vorgaben über Natur-bezogene Risiken berichten, ebenso wie die Zahl der Vermögensverwalter, die sich auf Basis der Berichte über die Gefahren für ihre Portfolios informieren. Hatten im vergangenen Jahr noch etwas mehr als 500 Unternehmen Daten abgegeben, waren es diesmal mehr als 1000. Die Zahl der Nutzer stieg von 620 auf 800. „Über die vergangenen zwölf Monate haben wir eine signifikante Verschiebung im Bewusstsein von Investoren gesehen“, schreiben die Studienautoren. Zum Vergleich: Der Partnerorganisation CDP, gegenüber der Unternehmen weltweit über Klimarisiken berichten, haben im Jahr 2025 etwa 22.000 Unternehmen Daten geliefert.
Unterdurchschnittliche Beteiligung aus Deutschland
60 Prozent der an TNFD berichtenden Unternehmen beschäftigen mehr als 5000 Mitarbeiter. Es mag am Sitz der Organisation liegen, dass 14 Prozent der Teilnehmer aus Großbritannien stammen. Auch japanische (13 Prozent) und US-amerikanische Unternehmen (8 Prozent) sind stark im Bericht vertreten. Aus Deutschland haben nur elf Unternehmen (zwei Prozent) teilgenommen. Der Anteil aus den Niederlanden, Frankreich, der Schweiz und Spanien ist höher. Aus China nahmen zehn Unternehmen teil.
Viele Teilnehmer erachten die Berichterstattung als herausfordernd, insbesondere weil es noch an klaren Regeln fehlt. 70 Prozent der Unternehmen wünschen sich die Klarheit und Verlässlichkeit verpflichtender Berichtsstandards. Diese sollten abgeleitet sein vom globalen Kumming-Montreal-Rahmenwerk für Biodiversität.
Auf Investorenseite fällt auf, dass gut die Hälfte angab, sehr besorgt um künftige finanzielle Effekte durch eine Schädigung der Natur zu sein. Das könnte die Leistungen der selbst verwalteten Fonds beeinträchtigen. Drei Viertel der Investoren sehen, dass die Unternehmen in ihrem Portfolio einem direkten physischen Risiko durch ihre Geschäftstätigkeit oder ihre Lieferkette ausgesetzt sind. Fast so hoch ist der Anteil, der ein systemisches Risiko erkennt, dass die Unversehrtheit von Ökosystemen getroffen sein könnte.
Explizite Gespräche zwischen Investoren und Unternehmen über Natur
„Der Wille, ihr Risiko- und Wirkungsmanagement zu verbessern und neue Möglichkeiten zu erkennen, treibt das Handeln von Investoren an, nicht die Regulierung“, heißt es in der Studie. Drei Viertel der befragten Investoren beziehen die Natur in ihre Investitionsentscheidungen ein, ein Viertel hat sich sogar schon zählbare Ziele gesetzt. 84 Prozent geben an, mit den Unternehmen ihres Portfolios explizit über Naturrisiken zu sprechen. Dabei sind die wichtigsten Felder Entwaldung, Trinkwasser und Biodiversität.
Rund die Hälfte plant, das eigene finanzielle Engagement in diesem Feld innerhalb von fünf Jahren mindestens zu verdoppeln bis zu verfünffachen. Drei Viertel glauben, dass dies auch der Markt in diesem Umfang tun werde. Eine große Mehrheit sieht sich aber noch überfordert darin, Abhängigkeiten von der und Wirkungen auf die Natur zu quantifizieren. Das beginne schon damit, dass der Einfluss sich schwer messen lässt.
Trotzdem haben 50 Prozent der befragten Unternehmen und 30 Prozent der teilnehmenden Investoren begonnen, Szenarien über Umweltrisiken in ihre Risikoanalysen einzubeziehen. Diese flössen dann auch in Transitionspläne, wie sie von Banken und Fondsgesellschaften verlangt werden.
