
In Südafrika hat die Polizei bei der Aufklärung mehrerer Morde an Frauen erste Fortschritte gemeldet. Am Montag erschienen zwei weibliche Tatverdächtige im Alter von 31 und 28 Jahren vor dem Amtsgericht von Boksburg östlich von Johannesburg. Sie sind wegen der vorsätzlichen Tötung eines der Opfer angeklagt. Ein dritter Verdächtiger, ein Mann, ist wieder auf freiem Fuß, weil die Frist für eine Festnahme ohne ausreichende Beweise verstrichen ist. Er bleibt aber im Visier der Polizei.
In Ekurhuleni, einer Metropolgemeinde östlich von Johannesburg, sind seit Juli die Leichen von neun ermordeten Frauen gefunden worden. Sie wurden halbnackt auf Grünflächen zurückgelassen, oft in der Nähe von Straßen, und hatten Spuren schwerer Misshandlung. Der Polizei zufolge gibt es bisher keine Hinweise auf einen Serienmörder oder eine Verbindung der Fälle. Die immer neuen Funde haben die Öffentlichkeit schwer erschüttert. Sie führten zu Protesten auf den Straßen und lösten abermals eine bis in die Politik reichende Debatte über Femizide und geschlechterbasierte Gewalt aus.
Wie eine „zweite Pandemie“
Südafrika hat eine der höchsten Kriminalitäts- und Mordraten auf der Welt. Frauen sind besonders von Gewalt betroffen. Eine von der südafrikanischen Regierung in Auftrag gegebene Studie ergab, dass mehr als jede dritte erwachsene Frau im Laufe ihres Lebens „körperliche und/oder sexuelle Gewalt“ erlebt hat. Tausende Frauen werden jedes Jahr getötet. Die Regierung in Pretoria erklärte den Kampf gegen geschlechterspezifische Gewalt schon 2019 zu einer Priorität und rief einen nationalen Notstand aus. Ein Jahr später sprach Präsident Ramaphosa in einer Rede an die Nation von einer „zweiten Pandemie“, gegen die man genauso entschlossen vorgehen müsse wie gegen das Coronavirus.
„Liebesdreieck“ als mögliches Motiv
Das mutmaßliche Opfer der jetzt vor Gericht erschienenen Frauen wurde in der vergangenen Woche mit aufgeschlitzter Kehle und mehreren Stichwunden gefunden. Die stellvertretende Chefin der nationalen Polizei sagte Medienberichten zufolge, der Mord könnte auf einen Beziehungskonflikt zurückzuführen sein, möglicherweise auf eine Art „Liebesdreieck“. Der Anwalt der Angeklagten teilte mit, er werde eine Freilassung gegen Kaution beantragen, weil beide Frauen zuvor nicht straffällig geworden seien. Das Gericht vertagte die Entscheidung auf den 1. Oktober. Bis dahin bleiben die Angeklagten in Untersuchungshaft.
Mittlerweile wurden alle Mordopfer bis auf eine Frau identifiziert. Fast alle Namen wurden in der Öffentlichkeit bekannt gegeben, nur den Namen einer Frau halten die Behörden noch zurück, bis ihre Familie informiert wurde. Auf Fotos in den Medien sind lebensfrohe junge Frauen in einem Alter zwischen Ende 20 bis Ende 30 zu sehen. Am Wochenende wurde die Leiche einer weiteren Frau gefunden, allerdings in Soweto, im Westen von Johannesburg.
Die stellvertretende Polizeichefin wies Kritik an der Arbeit der Polizei zurück. Die landesweit begonnene „Operation Shanela“, eine Initiative zur Kriminalitätsbekämpfung, zeige Erfolg. Mehr als 350 Menschen seien in den vergangenen sieben Tagen wegen mutmaßlicher geschlechterspezifischer Gewalt festgenommen worden. Für Hinweise hat die Polizei eine Belohnung von 400.000 Rand, umgerechnet 20.000 Euro, ausgesetzt.
