Nun, da das Auktionshaus Neumeister in München für Oktober das Aus verkündet hat, lässt sich spekulieren, inwieweit das gleichfalls in München ansässige Versteigerungsunternehmen Scheublein Art & Auktionen davon profitieren könnte. Die Kunstberatung Philipp Württemberg Art Advisory etwa, die für Auktionen aus adeligem Eigentum zuvor mehrmals Neumeister einspannte, ließ im Juni bereits durch Scheublein mehr als 1000 Lose aus Nachlässen der Wittelsbacher versteigern.
Nicht von ungefähr ähneln sich die Profile der beiden Mehrspartenhäuser, schließlich arbeitete Michael Scheublein knapp 25 Jahre, davon neun Jahre als Geschäftsführer, in der Firma seines Schwiegervaters Rudolf Neumeister. Als es mit dessen Tochter Katrin Stoll zu Unstimmigkeiten kam, gründeten Scheublein und seine Frau Martina Neumeister-Scheublein 2008 kurzerhand ihre eigene Auktionsfirma; die Geschäftsführung teilt sich das Ehepaar inzwischen mit seiner Tochter Nikola.
Speisen wie ein König
Am 24. September bringt Scheublein eine hübsche Folge von Nymphenburger Bildtellern aus Wittelsbacher Privatbesitz zum Aufruf, die Ludwig I. von Bayern gehörte. Der König, ein Verehrer Goethes, konnte sich beim Dessert an Szenen aus dessen „Reineke Fuchs“ erfreuen, die Wilhelm von Kaulbach im Auftrag des Verlegers Georg von Cotta als Illustrationen zu Goethes Versepos ausgeführt hatte. Die äußerst lebendigen und amüsanten Motive übertrug um 1850 der Künstler Ferdinand le Feubure aufs Porzellan. Den Gesängen folgend kommen die Stücke in Paaren zu Taxen bei 6000 bis 8000 Euro zum Aufruf. Dreiersets erfordern entsprechend mehr, und ein Viererpack soll 12.000 bis 15.000 Euro einspielen. Insgesamt umfasste die Serie 24 Teller. Zwei bekam 2016 das Bayerische Nationalmuseum geschenkt, einen weiteren versteigerte Neumeister 2018 zum Hammerpreis von 4200 Euro. Wo mag der letzte der Reihe sein?

Die teuersten Lose finden sich in der Partie zur klassischen Moderne, angeführt von Max Liebermanns 1926 mit vehementem Schwung gemalten „Blumenstauden am Gartenhäuschen nach Nordosten“. Trotz guter, bei Bruno Cassirer beginnender Provenienzen ging das Werk vor zwei Jahren bei Sotheby’s in Köln zurück, um nun mit einem auf 390.000 bis 400.000 Euro nach unten korrigierten Schätzpreis anzutreten. „Gartenlokal am Wannsee“, ebenfalls von Liebermann, soll 180.000 bis 200.000 Euro einspielen, und für Franz von Stucks bocksbeinigen, flötespielenden „Pan (Sommer)“ werden 20.000 bis 25.000 Euro erwartet.
Elisabeth Treskow, nach dem Krieg Leiterin der Gold- und Silberschmiedeklasse an den Kölner Werkschulen, erarbeitete 1949 mit Studenten nicht nur die „Salatschüssel“, die Meisterschale der Fußball-Bundesliga der Herren, sondern entwarf auch das preisgekrönte Besteckmodell No. 85 für die Solinger Manufaktur Pott, das 71-teilig 2900 bis 3400 Euro kosten soll. Während gerade das Münchner Oktoberfest tobt, kommt die Auktion mit einem passenden Spielzeug nach Vorbild der sogenannten Russischen Schaukel daher, dem ersten Riesenrad Bayerns, das von 1925 an zu den Traditionsfahrgeschäften auf der Theresienwiese gehörte. Elektrifiziert drehen sechs kleine Gondeln ihre Runden (350/420).
