
Die ersten Alarmglocken klingelten am frühen Nachmittag. Dass ein schwerer Taifun sich auf die japanische Pazifikküste zubewegt und schon die regenreichen Vorläufer zu Erdrutschen und Überschwemmungen in der Metropolregion Tokio führen könnten, war seit Tagen angekündigt worden. Doch wo genau diese Wirbelstürme anlanden und welche Schäden sie bringen, lässt sich schwer vorhersagen.
Die Alarmglocken, mit denen in Japan Katastrophen aller Art auf allen Handys in der betroffenen Region gespielt werden, gaben Gewissheit: In Yokohama, einer Nachbarstadt von Tokio, habe es einen Erdrutsch gegeben, lautete die erste Nachricht. Wenig später folgte die zweite, wonach die Behörden für mehrere Stadtteile der Millionenmetropole die zweithöchste Warnstufe für Erdrutsche und Überschwemmungen ausgegeben haben. Das heißt: sofort in Sicherheit bringen!
Doch bis zum Abend blieb es in der dicht besiedelten Metropolregion bei sehr viel Regen. Für viele Orte meldeten die Wetterbehörden mehr Regen, als sonst in einem ganzen Monat fällt. Auf der südlich von Tokio gelegenen Insel Oshima sollen innerhalb von 24 Stunden 672 Milliliter Regen gefallen sein. In den 24 Stunden bis Dienstagabend erwartet die Behörde für die Kanto-Region, in der Tokio liegt, an die 200 Milliliter. Der Taifun Dujuan selbst, in dessen Zentrum Windgeschwindigkeiten von bis zu 200 Kilometern pro Stunde erreicht wurden, blieb aber bis Montagabend auf dem Meer und bewegte sich offenbar mehr als 100 Kilometer vor der Küste an der Hauptinsel Honshu vorbei.
Die Auswirkungen an Land waren dennoch erheblich. Weite Teile des öffentlichen Lebens wurden lahmgelegt. An den beiden internationalen Hauptstadtflughäfen Haneda und Narita wurden Hunderte Flüge gestrichen. Viele Zugverbindungen, sowohl innerhalb der Stadt als auch Shinkansen in Richtung Osaka, fielen ebenfalls aus. Die Computerspielemesse Tokyo Game Show sagte ihr gesamtes Montagsprogramm ab. Auch einige Wettbewerbe der Asia Games, die derzeit in Japan laufen, wurden verschoben. Zu möglichen Verletzten oder gar Toten gab es zunächst keine Meldungen. Der Wirbelsturm war der 25. in der Region in diesem Jahr. So viele gibt es durchschnittlich im ganzen Jahr.
