Auf dem Pflaster vor dem hr-Sendesaal liegt ein weißes Plakat auf dem Boden. Schüler können sich dort einen Stift schnappen und das Theaterstück kommentieren, das sie gerade gesehen haben. Ihre Rezensionen sind wohlwollend. „Der Hammer“, hat jemand geschrieben. Ein anderer Kommentar lautet: „Hatte Gänsehaut.“ Die Tanzperformance „Superzart gegen das Patriarchat“, die die Schülergruppe „Dance Nation“ des Hamburger Gymnasiums Klosterschule gezeigt hat, ist offenbar gut angekommen. Mit dem Stück ist das Schultheaterfestival der Länder eröffnet worden.
Die meisten Stuhlreihen im Saal sind reserviert. Auf den Schildern am Rand steht, für wen: Bayern, Mecklenburg-Vorpommern, Bremen, Berlin, Schleswig-Holstein und so weiter. Schüler aus 16 Bundesländern sind nach Frankfurt gereist, um in den nächsten fünf Tagen am Schultheatertreffen der Länder teilzunehmen, das diesmal in Frankfurt ausgetragen wird. Mehr als 300 Kinder und Jugendliche wollen präsentieren, was sie einstudiert haben. Im Mittelpunkt steht dieses Jahr der Tanz. Unter dem Motto „Be the move“ wollen die Schüler zeigen, dass sie in Bewegung sind.
Um es zum Schultheatertreffen zu schaffen, müssen sich die Schulen mit ihren Stücken beim jeweiligen Landesverband bewerben. Er entscheidet dann, welches Ensemble das Bundesland beim Festival vertreten wird. „Es ist eine absolute Ehre, am Bundeswettbewerb teilzunehmen“, sagt Andreas Kroder. Er leitet den Bundesverband Theater in Schulen, der das Festival gemeinsam mit dem Landesverband Schultheater in Hessen ausrichtet.

Zweitklässler aus der Grundstufe der Georg-Büchner-Schule in Frankfurt tanzen ebenfalls zur Eröffnung. Aber die meisten Schüler im Saal besuchen schon weiterführende Schulen. Nur in Hamburg gebe es an den Grundschulen darstellendes Spiel, erläutert Kroder. Grundsätzlich gelte beim Schultheater: „Man muss auf motivierte Lehrer hoffen, die sich engagieren.“
Sina Kuhlins vom Landesverband ist sich sicher: „Kinder lernen in dieser Woche hundertmal so viel wie in einer Woche Schule.“ Es ist das größte Schultheaterfest in Europa. Jeden Tag gibt es fünf Aufführungen, in der Volksbühne am Großen Hirschgraben, im Gallus Theater, im hr-Sendesaal, in der Carl-Schurz-Schule sowie im großen Saal der Jugendherberge. Für einzelne Vorstellungen gibt es noch Tickets auf der Internetseite schul.theater/sdl2026, der Eintritt ist frei. Außerdem gibt es eine Fachtagung für Lehrer und Theaterpädagogen.
Warum Schultheater wichtig ist
Für den Bundesverband ist das Festival „ein starkes Signal für die Bedeutung ästhetischer Erziehung“. Er setzt sich seit vielen Jahren dafür ein, Theater als festen Bestandteil schulischer Bildung zu stärken, denn es fördere Kreativität, Selbstwirksamkeit, Kommunikationsfähigkeit und Perspektivwechsel und vermittle damit Kompetenzen, die weit über den Bühnenraum hinauswirkten.
Bei der Eröffnungsfeier am Samstag geht es drunter und drüber. Die Theatergruppen aus den 16 Bundesländern sollen jeweils ein Stillbild aus ihrer Inszenierung auf die Bühne bringen. Es ist ein ständiges Kommen und Gehen. Die Grußbotschaft von Karin Prien, die auf einer Videoleinwand eingespielt wird, geht dadurch völlig unter. Das ist schade, denn es wäre interessant gewesen, zu erfahren, was die Bundesbildungsministerin zum Schultheater zu sagen hat.
Hessens Kultusminister Armin Schwarz (CDU) und Frankfurts Bildungsdezernentin Sylvia Weber (SPD) ergeht es besser. Sie erläutern mit ihren Worten, warum darstellendes Spiel in der Schule wichtig ist. „Die Schülerinnen und Schüler zeigen eindrucksvoll, was sie bewegt“, sagt Schwarz. Das Schultheater stärke sozialen Zusammenhalt und baue Brücken zwischen jungen Menschen, die über den Schulunterricht hinausreichen. „Gerade im Tanz lernt man, auch ohne Worte zu kommunizieren“, sagt Schwarz.
Weber ist stolz, dass Frankfurt diesmal Gastgeber des Festivals ist. Wer Theater spiele, der schlüpfe in andere Rollen und versuche, andere Perspektiven einzunehmen. Theaterspielen sei Demokratieförderung, sagt sie und fordert: „Wir brauchen mehr Schultheater, wegen der Herausforderungen unserer Zeit.“
