Es wäre interessant gewesen, den Samstagnachmittag auf dem Sofa neben diesem öffentlich noch unbekannten Mann zu verbringen und über die zweite 3:4-Heimniederlage von Borussia Mönchengladbach nacheinander zu plaudern. Der Unbekannte soll in der kommenden Woche als neuer Trainer des größten Krisenteams der Bundesliga präsentiert werden.
Es gebe „eine mündliche Einigung“, sagte der Sportchef Rouven Schröder nach dem Abpfiff, der hofft, dass der ausgewählte Kandidat nicht doch noch ins Zweifeln gerät und wieder abspringt. Denn tatsächlich bot dieses wilde Fußballspiel gegen Mainz 05 abermals Anlass für Zweifel an dieser Mannschaft, die nun auf dem letzten Tabellenplatz angekommen ist.
Eigentlich war an diesem Nachmittag ein sehr schöner Moment für die Auferstehung gekommen, als Kevin Diks einen Elfmeter verschossen hatte und im Stadion plötzlich eine Energie der Solidarität und starke Widerstandskräfte spürbar wurden.

Das von dem Assistenztrainer Jan-Moritz Lichte betreute Team hatte wieder eine Führung verspielt, lag 1:2 zurück, hatte eine Strafstoßchance vergeben, doch nun begann die Borussia, sich trotzig zu wehren. Genau das hatte Schröder gefordert: Zusammenhalt in der Krise.
Der künftige Borussia-Trainer sieht vielschichtige Probleme
Kurz darauf schoss Isac Lidberg das 2:2, das Stadion tobte. Es hätte ein Wendepunkt sein können. Doch es passierte das Gegenteil. Der künftige Trainer – der laut Schröder weder Christian Titz noch Horst Steffen heißen wird – konnte bestaunen, wie vielschichtig die Probleme dieser Mannschaft sind.
Die Gladbacher hatten zuvor viel von der Unfähigkeit gesprochen, Rückschläge zu verkraften, nun waren sie hervorragend mit der vergebenen Elfmeterchance umgegangen. Der Plan lautete: „Dinge, die im Spiel vielleicht nicht so gut laufen, so schnell es geht abzuhaken und nach vorne zu gucken“, berichtete Mittelfeldspieler Philipp Sander. Das hat funktioniert. Doch nun versagte das Team im Umgang mit dem Erfolgsmoment des 2:2. Der Energieeinsatz wurde reduziert, der Mut schwand, Quer- und Rückpässe der Borussia machten Mainz wieder stark. Statt an Rückschlägen zu verzweifeln, waren sie diesmal mit einem positiven Moment überfordert.
Wichtig sei, dass „jemand von außen kommt“, sagte Schröder, die Borussia brauche jemanden, der „nicht aus der Blase kommt“ und „sagt, was eigentlich los ist“. Das zu beantworten, fällt den Verantwortlichen von innen offenbar schwer. Ja, es fehlt Spielglück. Ja, die Verletzungen von Jens Castrop, Enzo Leopold und Nicolas Kühn tun weh. Aber ist das der Grund für diese frappierende Fehleranhäufung, die zu zwei Heimniederlagen mit jeweils vier Gegentreffern nacheinander führte?
Flankiert übrigens von einem 0:3 in Leipzig und einem 0:5 in Freiburg. Als Nächstes steht das für viele Gladbacher wichtigste Spiel des Jahres an: ein Duell beim Erzrivalen Köln.
