Untersuchungen am römischen Aquädukt von Nîmes geben Hinweise darauf, wie sich die Wasserversorgung der antiken Stadt über die Jahrhunderte veränderte. Forscher der Uni Mainz haben Karbonatablagerungen an zehn Stellen des rund 50 Kilometer langen Aquädukts untersucht, zu dem auch die berühmte Brücke Pont du Gard im heutigen Südfrankreich gehört. Die Ergebnisse wurden im im Magazin „Geoarchaeology“ veröffentlicht.
„Die Karbonatablagerungen dokumentieren menschliche Eingriffe über einen Zeitraum von etwa 300 Jahren während der Pax Romana, zudem gewähren sie Einblicke in soziale Unruhen“, sagt Gül Sürmelihindi vom Institut für Geowissenschaften der Uni Mainz.
Der etwa um das Jahr 50 nach Christus erbaute Aquädukt wurde nach elf Jahren um eine weitere Wasserquelle ergänzt. Die Forscher führen das Ereignis auf eine Dürreperiode zurück, die schon der römische Historiker Tacitus erwähnt hatte. Um das Jahr 150 sank der Wasserstand aber stark, etwa die Hälfte des Wassers wurde wahrscheinlich von einflussreichen Landbesitzern zur Bewässerung der Flächen im Umland abgezweigt.

Von der Mitte des dritten Jahrhunderts an verschlechterte sich der Zustand der Wasserleitung. Das zeigen die Veränderungen in der Farbe und Zusammensetzung des Karbonats: Es wurde poröser, Lehm und Sand kamen hinzu. Um etwa 270 endete die Wasserversorgung von Nîmes abrupt, während das Aquädukt außerhalb der Stadt weiter genutzt wurde. Die Befunde deuten darauf hin, dass die Nachfrage in der Stadt stark zurückgegangen war.
Als mögliche Ursache nennen die Wissenschaftler die Cyprianische Pest, die zwischen etwa 250 und 270 im Römischen Reich grassierte. Möglicherweise führte die Seuche in Nîmes zu einem starken Bevölkerungsrückgang. Eindeutig belegen lässt sich der Zusammenhang jedoch nicht. Archäologische Befunde zeigen, dass auch andere Städte Südfrankreichs in dieser Zeit schrumpften, einige infolge der Invasion durch Barbaren, andere aus ungeklärten Gründen.
