Den neuen Fotohotspot ihrer Stadt haben die Frankfurter schnell entdeckt. Kaum sind am Freitagabend die schweren Lastwagen des Unternehmens, das gerade noch die Absperrgitter abgeräumt hat, von der Konstablerwache gerollt, stehen die ersten schon darunter. Sie staunen, gestikulieren, testen Perspektiven mit ihren Handykameras.
Ob sie in dem an Stahlseilen kurvenreich aufgehängten Gebilde aus blauen und roten Netzen „A Sky Full of Hope“ erkennen, wie es sich Janet Echelman, die Künstlerin und Urheberin der Installation, vorstellt, muss sich noch zeigen. Sie wolle „Licht und Hoffnung an den Himmel bringen“, sagt die Amerikanerin über ihr eigens für diesen Platz geschaffenes Werk. Dass etwas passiert auf der Konstablerwache, dass der jenseits von Markttagen eher triste Platz irgendwie zum Hingucker wird, scheint den meisten Betrachtern jedenfalls zu gefallen.
Die Netzskulptur, die an zwölf Meter hohen Masten hängt, selbst über vier Meter hoch ist und mit einem Ausmaß von zwölf mal 25 Metern doch nur die Mitte des Platzes überspannt, wurde in den vergangenen zwei Wochen installiert. Sie ist einer der spektakulärsten Beiträge zur „World Design Capital Frankfurt Rhein-Main 2026“. Ob sie ihren Preis wert ist, wurde schon diskutiert, bevor die Montage begann. So oder so wird das Werk das Aktionsjahr überdauern: Die nächsten drei Jahre soll die Skulptur den Platz überspannen – und das Geschehen darauf beeinflussen.

Verweilen, Begegnen und Mitgestalten sind Schlagworte, mit denen das städtische Kulturdezernat beschreibt, was sich Künstlerin und Stadt von dieser rund zwei Millionen Euro teuren Kunstaktion im öffentlichen Raum versprechen. Der neu gestaltete Raum dürfe als offene Bühne verstanden werden, auf der vieles denkbar sei: nachbarschaftlicher Austausch, Straßenkunst, gemeinsame Sport- und Spielaktionen, kulinarische Pop-ups oder Tanz- und Musikbegegnungen, heißt es. Wie gut das gelingt, wird von Wissenschaftlern der Frankfurter University of Applied Sciences beobachtet und analysiert.

Weil die Freigabe der Konstablerwache auf ein Wochenende fällt, sind die auf den Platz zurückgekehrten Händler des traditionellen Marktes und ihre Kunden am Samstag die Ersten, die nun zahlreich unter dem schwebenden Kunstwerk stehen. Auch das könnte man mit den Worten der Stadt als eine Art „Vorglühen“ deuten. Genau wie die Lichteffekte, mit denen die Skulptur abends angestrahlt wird und von denen die Stadt versichert, dass davon noch mehr zu erwarten sei. Am 11. August wird Echelmans Kunstwerk gegen 21 Uhr mit einer großen Licht- und Soundinszenierung eröffnet. Die Frankfurter sind dazu eingeladen.
