
Das habe der Vatikan den deutschen Bischöfen immer wieder deutlich übermittelt, schon während der Amtszeit seines Vorgängers Franziskus. Auf einer „fliegenden Pressekonferenz“ auf dem Rückweg von seiner Afrikareise wies der Papst aber auch auf die bestehende Praxis allgemeiner Segnungen hin. „Wenn ein Priester am Ende der Messe den Segen gibt, wenn der Papst am Ende einer großen Feier den Segen gibt, dann gibt es Segnungen für alle Menschen“, so Leo.
Nicht einschreiten, nicht ermuntern
Das Sakrament der Ehe bleibt in der Weltkirche der lebenslangen Ehegemeinschaft einer Frau und eines Mannes vorbehalten. Gegen „informelle“ Segnungen anderer Lebensgemeinschaften in Deutschland – und anderswo im zunehmend säkularisierten Westen – wird der Heilige Stuhl nicht einschreiten, er wird dazu aber auch nicht ermuntern.
Im Übrigen solle sich die Frage um Einheit oder Spaltung der Kirche „nicht um sexuelle Fragen drehen“, sagte der Papst weiter. Auch das ist eine weise Empfehlung des Pontifex.
In Afrika etwa, wo die Weltkirche wächst und gedeiht, ist Homosexualität in vielen Staaten noch gesetzlich verboten. Für die Kirche stellt sich andererseits die viel drängendere Frage, wie der Heilige Stuhl mit polygamen Verbindungen umgehen soll. Was würde Kardinal Reinhard Marx, Erzbischof von München-Freising, etwa zu einem getauften Katholiken aus Subsahara-Afrika sagen, der seine Vielehe mit mehreren Frauen von ihm segnen lassen will?
