
Der bayerische Ministerpräsident Markus Söder hat den Kollegen des „Münchner Merkur“ ein Interview gegeben, in dem es um die großen Fragen ging. Eine seiner Botschaften: „Wir müssen unseren Sozialstaat schlanker machen, wenn wir ihn im Kern erhalten wollen.“ Im entscheidenden Teil des Gesprächs lässt Söder erkennen, dass er durchaus bereit ist, bei sich selbst anzufangen. Zwar sagte er nicht, dass auch er nun den Gürtel enger schnallen und weniger essen werde, aber er will immerhin weniger Essen posten.
Tatsächlich hat Söder damit schon nach den Kommunalwahlen angefangen. Der letzte Post, auf dem der Ministerpräsident Essen erkennbar in Szene setzt (ein Wiener Würstchen mit Semmel), stammt aus der Zeit des Kommunalwahlkampfs, der, wie man mittlerweile weiß, nicht das erhoffte Ergebnis gebracht hat. In der Folge kam Kritik in der Partei auf, die man auf die Formel „Zu viel Döner, zu wenig Demut“ bringen kann.
Wie gefährlich derlei Alliterationen sein können, weiß etwa Julia Klöckner, die einst dem Verdacht unterlag, „zu viel Paris, zu wenig Pirmasens“ zu sein – und deswegen nicht Ministerpräsidentin wurde. Manche in der CSU sind der Meinung, es vertrage sich generell nicht mit der Würde des Ministerpräsidentenamts, allzu genüsslich öffentlich zu essen. Andere meinen, die Zeit, die Söder aufs Essen-Posten verwendet, wäre besser ins Regieren investiert. Wieder andere haben geargwöhnt, Söder esse gar nicht, was er poste, wie sonst habe er in den vergangenen Jahren erschlanken können?
„A bissl was geht immer“
Und noch mal andere – manchmal auch dieselben – erinnern an den berühmten Schriftsteller, dem nachgesagt wird, er habe jeweils zum Weihnachtsfest einen Bettler engagiert, der vor dem Esszimmerfenster auf- und ablaufen und in seine klammen Hände pusten musste. So konnte der Hausherr vor dem wohligen Ofen die Weihnachtsgans umso mehr genießen.
Deutschland ist einfach eine Neidgesellschaft. Man kann nur hoffen, dass Söder sich davon nicht irritieren lässt und seine Bekräftigung im „Münchner Merkur“, „natürlich darf man bei Social Media weiterhin authentisch sein“, mit Leben füllt. Denn wenn #Söderisst, zeigt er, dass auch er ein Mensch aus Fleisch und Blut ist, vor allem aus Fleisch. Er signalisiert der türkischstämmigen Community, dass sie zu Deutschland gehört wie Schweinsbraten und Drei im Weggla. Er demonstriert Einvernehmen mit dem Koalitionspartner, dessen Chef Hubert Aiwanger der Meinung ist, dass Bauarbeiter vom Gerüst fallen, wenn sie nicht genügend Fleisch bekommen.
Außerdem wissen insbesondere die Religionen um die Bedeutung des öffentlichen Essens. Die wunderbare Brotvermehrung und das Brotbrechen kennt jeder – und was ist es bitte anderes, wenn Söder Gratis-Döner an die Menschen verteilt?
Es gibt jedenfalls Hinweise darauf, dass der Ministerpräsident auch künftig übers Essen und Trinken mit den Bayern kommunizieren wird. Zum einen scheinen seine Social-Media-Leute durchaus noch Kapazitäten zu haben, sie haben ja sogar herausgefunden, dass Döner-Posts weniger als ein Prozent aller Söder-Posts ausgemacht hätten. Zum anderen aß er zuletzt auf der Regierungsbank des Landtags schon wieder recht ostentativ.
Im Übrigen benutzte er im Gespräch mit dem „Merkur“ eine Kaffeetasse, „aus der er häufig eine Cola light oder zero trinkt“. Auf dieser habe nicht mehr und nicht weniger gestanden als: „A bissl was geht immer.“
