Mit dem ehrenamtlich organisierten Preungesheimer Dorflauf ist am Sonntag die Europäische Woche des Sports in Frankfurt und der Rhein-Main-Region eingeläutet worden. Vom 23. bis zum 30. September steht nun die Vielfalt von Sport und Bewegung im Mittelpunkt. Seit 2015 gibt es die jährlich europaweit stattfindende Kampagne. Ins Leben gerufen wurde sie damals von der Europäischen Kommission.
Bereits im Vorfeld der Aktionswoche verwandelte sich das MyZeil-Einkaufszentrum am 12. September in eine Sportarena. Vor dem Gebäude gab es Calisthenics-Trainingstipps am Reck, drin konnten mehrere Fitness Challenges absolviert und Tischtennis gespielt werden.
Los ging es bereits Anfang September, zumindest mit den Reden: Zwischen einer indischen Street Kitchen, einer Pizzeria und einer Eismanufaktur sprachen Politiker und Funktionäre darüber, was sie sich von der Europäischen Woche des Sports wünschen. Mike Josef, Juliane Kuhlmann, Roland Frischkorn, Ann Kathrin Linsenhoff und Ferdinand Huhle stellten ein Programm vor, das mal so gar nicht zu dem Fast Food passte, das keine zehn Meter weiter angeboten wurde.

„Ob großer oder kleiner Verein, alle machen mit“, meint Roland Frischkorn, Vorsitzender des Sportskreises Frankfurt e.V., auf das Event-Programm bezogen. In insgesamt über 350 verschiedenen Angeboten sollen die Einwohner der Rhein-Main-Region zusammengebracht werden sowie einen erleichterten Zugang zu Bewegung erhalten. Rund 250 davon finden allein im Ballungsraum Frankfurt statt. Damit ist die Region und auch die Stadt Frankfurt deutschlandweit Vorreiter.
Yoga, Schießen und Ballett fürs Muskeltraining
Die Vielfältigkeit wird sofort ersichtlich: So bietet die FTG Frankfurt am 29. September ein sogenanntes Barré-Workout an. Das ist ein vom klassischen Ballett inspiriertes Ganzkörpertraining mit Elementen aus Pilates, Yoga und Krafttraining. Bei der FTG lässt sich am selben Tag auch ein Box&Fit-Kurs belegen – ausschließlich für Frauen.
Wer sich diesen Herbst lieber ein Sixpack erarbeiten möchte, kann zum Einstieg am 27. September ins HIIT des Turnerbundes Wiesbaden gehen. Im Spiegelsaal des TV Eschersheim lässt sich zudem am letzten Tag der Aktionswoche ein Contemporary-Dance-Kurs besuchen. Und wer es noch actionreicher mag, kann am Sportschießen-Grundkurs mit Kurzkaliber-Waffen teilnehmen. Ausrichter ist am 26. September der TUS Schwanheim.

Unzureichende Sportinfrastruktur aufgrund hoher Nachfrage
Sportvereinen soll der Zeitraum im Spätsommer als Präsentationsfläche dienen, um neue Mitglieder zu gewinnen. Damit das deutlich einfacher geschehen kann und um den Vereinen logistische Probleme zu nehmen, hat man sich bewusst gegen ein zentrales Konzept entschieden. „Die Vereine müssen nur ihre Sportgeräte auf die Straße stellen und erreichen genau die Menschen, die sie zu sich bringen wollen“, begründet Frischkorn den dezentralen Ansatz.
Dass der Sport die Menschen in Frankfurt längst in seinen Bann gezogen hat, wird anhand der Zahlen des Sportkreises Frankfurt deutlich. 416 Vereine mit über 356.000 Mitgliedern sind in ihm organisiert. Werden die DLRG, der Betriebssportverband und kleinere Anschlussorganisationen hinzugezählt, kommt er gar auf 371.000. Gerade deshalb wünscht sich der Sportkreis-Vorsitzende Frischkorn eine verbesserte Sportinfrastruktur.
„Dass sie nicht mithalten kann, liegt an der hohen Nachfrage“, erklärt er im Gespräch mit der F.A.Z. Speziell bei Hallen für Ballsportarten und bei Trainingsbedingungen für Schwimmvereine gibt es Bedarf. Auch fehle es an einer „Turnhalle analog zur Leichtathletik“.
Gute Schulsporthallen hat die Stadt erst ab Sommer 2027 zu bieten
So sieht es auch bei Frankfurts Schulsporthallen aus. Einsturzgefährdete Dächer, marode Böden, defekte Heizungen: Die Liste der Defizite ist lang. Dazu kommen hohe Innentemperaturen in den Sommermonaten. 2025 stellte der Stadtelternbeirat den Schulsporthallen deshalb die Note 4+ aus.
Die Bau- und Bildungsdezernentin der Stadt, Sylvia Weber (SPD), reagierte bereits auf die angespannte Lage. Unter ihrer Leitung gibt es in der sogenannten Schulbauoffensive ein Schulsporthallenprogramm. Um das Problem schnellstmöglich anzugehen, werden alle neuen Turnhallen seriell gleich errichtet. 26 Hallen mit insgesamt 89 Sportfeldern sollen ab Sommer 2027 entstehen.

Die Europäische Woche des Sports geht auch ein gesellschaftliches Problem an: 38 Prozent der Deutschen machen laut Ergebnis einer 2018 veröffentlichten Eurobarometer-Studie nie Sport. Zudem ist das Level körperlicher Aktivität rückläufig. „Leider wird es in unserer heutigen Gesellschaft immer schwieriger, genügend Sport und Bewegung in den vollen Alltag einzubauen“, sagt Amir Jemour, Geschäftsführer Veranstaltungen und Projekte des Sportkreises Frankfurt.
Kinder sollen spielerisch an den Sport herangeführt werden
Um dem entgegenzuwirken, findet am 27. September das „FamilienSportFest“ statt. Ausrichtungsort ist in Kooperation mit Eintracht Frankfurt die Niddahalle. Die Idee hinter dem Fest? Kinder sollen gemeinsam mit ihren Eltern oder Großeltern Aufgaben meistern, um so spielerisch den Spaß am Sport zu entdecken.

Auch organisiert der Sportkreis Frankfurt in der Zeit vom 21. bis zum 30. September Schulaktionstage für alle Jahrgangsstufen. Wheelsoccer, Afrobeats, Hockey sowie Lerneinheiten zu Sporternährung – unter anderem diese Angebot können Schulen kostenfrei wahrnehmen. Nach Anmeldung werden sie vor Ort gestaltet.
Geht es nach Oberbürgermeister Josef, soll die „Sportstadt“ Frankfurt ein Vorbild für sportliches Engagement sein. Das Schweißtreiben möchte er auch als „Demokratisierungsmotor“ nutzen. Und insbesondere beim Kampf gegen das Vereinsamen kann der Sport hilfreich sein, sagt Josef. Dass er als erster Oberbürgermeister seit Walter Kolb in den 1950er- und 60er-Jahren parallel zu seinem Amt auch Sportdezernent der Stadt ist, unterstreicht seine Ambitionen.
Doch ein Blick hinter die Kulissen verrät, dass längst noch nicht alles so perfekt ist, wie es Josef in seinen Reden über den Sport zu vermitteln versucht. Mit dem Schulsporthallenprogramm ist zumindest ab Mitte des nächsten Jahres der Grundstein für Abhilfe geschaffen.
