Die alten Sitzbänke gibt es nicht mehr. An ihrer Stelle stehen zwölf runde Wände mit Urnenfächern im Kirchenschiff der 1954 geweihten Nachkriegskirche St. Michael im Frankfurter Nordend. Die ehemalige Gemeindekirche ist als erste in Hessen zu einer Begräbniskirche umgestaltet worden – und die ersten Lichter brennen schon. Seit Mitte Juli werden in dem Bau Urnen in den halbkreisförmigen Wänden aus Sichtbeton beigesetzt. Offiziell wird die Begräbniskirche allerdings erst nächste Woche eröffnet.

Die Urnenbeisetzung ist von der Konfession unabhängig. Allerdings will sich angeschlossene Fachzentrum Trauerseelsorge St. Michael des Bistums Limburg auch bei weltlichen Trauerfeiern vorbehalten, einen Segen sprechen zu dürfen. Aber eines soll es in der neuen Begräbniskirche auf keinen Fall geben: anonyme Bestattungen. Dafür sei das Konzept nicht gedacht, heißt es. Die Urnenkammer muss deshalb einen Namen tragen, oder besser: eine Plakette mit Namen, Datum und einem Symbol. Auch jeweils eine kleine Vase gibt es. Denn Seelsorgerin Verena Maria Kitz weiß aus Erfahrung, dass die Menschen das Bedürfnis nach einer Trauerhandlung haben, „sie wollen etwas dalassen“. St. Michael solle „ein gastfreundlicher Ort“ sein, sagt Kitz, „ein Raum für die Verstorbenen und für die Lebenden“.
Die neue Begräbniskirche bietet einen würdigen Platz für 2500 Urnen. Ein Platz kostet in Anlehnung an die Gebührensatzung der Stadt Frankfurt 2900 Euro, Trauergespräche, Trauerfeier und Beisetzung eingeschlossen. Erworben wird ein Nutzungsrecht für 15 Jahre. Für Menschen mit geringerem Einkommen gibt es 400 Plätze für 1800 Euro, und für 195 Euro im Jahr kann man eine Urnenkammer reservieren.
In anderen Bundesländern gibt es solche Angebote schon länger. Rund 50 Begräbniskirchen, vor allem in Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen und in Rheinland-Pfalz, sind inzwischen entstanden. Umgebaut wurden dafür evangelische wie auch katholische Kirchen. Das Bistum Limburg hat sich im Fall der früheren Gemeindekirche St. Michael für den Umbau entschieden, nachdem die Pfarrei in eine andere integriert wurde, die Kirche nicht mehr im engeren Sinne als solche genutzt wurde. 2020 gewann das Frankfurter Architekturbüro Meixner-Schlüter-Wendt den Wettbewerb für die Umgestaltung. Der Umbau dauerte eineinhalb Jahre und kostete 3,5 Millionen Euro.
