
Sauerteig kostet Zeit. Ansonsten ist diese Zutat günstig. Sie besteht aus Mehl und Wasser. Die Mikroorganismen, die daraus Sauerteig machen, gibt es umsonst. Die Hefen und Milchsäurebakterien sitzen im Mehl, auf unserer Haut, mitunter fliegen sie durch die Luft. Es braucht halt nur eine Weile, bis die Fermentation in Gang kommt.
Doch Preise gären anders. Das Sauerteigbrot in der amerikanischen Bäckerei Rye kostet 60 Dollar. Zwar sind es eineinhalb Kilogramm schwere Laibe. Dennoch dürfte die Bereitschaft, diesen Preis zu bezahlen, nur bei New Yorkern da sein. Jedenfalls stehen im Viertel Soho die Leute Schlange, um 60 Dollar auszugeben und ein Brot mitzunehmen. So wird berichtet.
Die Geschichte erinnert an den Cronut, die nunmehr 13 Jahre her ist. Auch damals standen die Menschen im New Yorker Stadtteil Soho Schlange vor einer Bäckerei. Sie wollten unbedingt dieses frittierte Gebäck ergattern, das eine Kreuzung ist aus Donut und Croissant. Die Kosten waren im Vergleich zum Sauerteigbrot von Rye geradezu günstig. Fünf Dollar kostete ein Stück. Jeder Kunde durfte maximal zwei Stück kaufen. Der endgültige Preis ging für Ungeduldige allerdings schnell in die Höhe. New Yorker konnten für einen Aufpreis von 20 bis 40 Dollar einen Menschen mieten, der sich für sie in die Schlange stellt.
Von diesem Konzept haben wir in Frankfurt noch nicht gehört. Aber wir kennen die Schlangen vor den lokalen Bäckereien wie Zeit für Brot oder Liebesbrot. Dort gibt es nicht nur Sauerteigbrot aus Roggen, sondern aus Weizen, Dinkel oder Buchweizen, sogar in verschiedenen Formen und Gewichtsgrößen.
Für New Yorker Rye-Gänger muss Frankfurt am Main das Paradies sein. Als Gäste könnten sie sogar in Skyscrapern wohnen. Äppelwoi, grüne Soße und weiter südlich Kochkäseschnitzel haben wir auch noch. Und was gibt es Besseres als einen Handkäs mit Musik? Der wird übrigens traditionell hergestellt aus Sauermilchkäse.
