
Der Unternehmensberater Stephan Goetz muss sich seit Dienstag in München einem Strafprozess stellen. Die Staatsanwaltschaft wirf ihm Betrug, Anstiftung zur Untreue und Marktmanipulation im Zusammenhang mit einem Schuldenschnitt beim bayrischen Textilunternehmen Sympatex vor. Goetz war privat mit seinem damaligen Geschäftspartner Stefan Sanktjohanser über eine Zwischengesellschaft an der Firma beteiligt. Das auf Outdoor-Kleidung spezialisierte Unternehmen hatte 2013 eine hochverzinste Mittelstandsanleihe aufgelegt und darüber von Investoren 13 Millionen Euro eingesammelt. Das Unternehmen geriet in wirtschaftliche Schwierigkeiten, im Jahr 2017 verzichteten die Anleihegläubiger im Rahmen eines Schuldenschnitts auf 90 Prozent ihres Einsatzes.
Es besteht der Verdacht, dass Anleger dabei getäuscht wurden über die Notwendigkeit des Schuldenschnitts. Um ihre Zustimmung zum Schuldenschnitt zu erreichen, soll laut Anklage die Legende eines „Weißen Ritters“ ersonnen worden sein, der bereit sei, das in Not geratene Unternehmen zu retten und zu übernehmen, wenn die Gläubiger ihrerseits bereit wären, auf einen Großteil ihrer Forderungen zu verzichten. So bekämen sie immerhin noch mehr als im Insolvenzfall. Tatsächlich aber soll es laut Staatsanwaltschaft einen solchen Weißen Ritter nie gegeben haben, stattdessen ein Geflecht aus Strohleuten und Treuhändern. Laut Staatsanwaltschaft beträgt der Schaden der ermittelten Anleihegläubiger mindestens eine Million Euro.
Goetz bestreitet die Vorwürfe
Goetz bestreitet die Vorwürfe. Er habe keine Anleger betrogen, teilte sein Anwaltsteam um Markus Gotzens mit. Sympatex habe nie Gewinne erwirtschaftet und habe vor der Insolvenz gestanden, Goetz habe das Unternehmen fortwährend „mit erheblichen Zuschüssen versehen“, um eine Insolvenz zu vermeiden: „Insofern ist der in der Anklage behauptete Schaden der Anleger nicht nachzuvollziehen“, schreiben die Anwälte.
In dem Fall wurde umfangreich gegen mehrere Personen ermittelt. im Sommer 2023 hatten Ermittler rund 50 Büros und Objekte durchsucht, darunter auch das Family Office der Otto-Dynastie. Goetz` Ehefrau Ingvild ist Tochter des Versandhaus-Gründers Werner Otto. Goetz und Sanktjohanser saßen wegen Verdunkelungsgefahr lange Zeit in Untersuchungshaft, wurden zeitweise freigelassen, später aber wieder verhaftet, weil sie laut Staatsanwaltschaft den „auferlegten Pflichten gröblich zuwidergehandelt haben“. Sie sollen trotz Verbots Gespräche mit Mitbeschuldigten oder möglichen Zeugen geführt haben. Goetz wurde kurz vor Weihnachten 2024 dann abermals unter strengen Auflagen aus der U-Haft entlassen.
Partner Sanktjohanser zu Bewährungsstrafe verurteilt
Die Münchener Justiz hat die Verfahren gegen Goetz und seinen Partner Sanktjohanser voneinander getrennt. Sanktjohanser wurde im Oktober 2025 wegen versuchten Betrugs in 261 Fällen sowie wegen Beihilfe zur Falschaussage zu einer Bewährungsstrafe von einem Jahr und neun Monaten sowie einer Geldstrafe von 105.000 Euro verurteilt. Ein ebenfalls angeklagter Restrukturierungsberater erhielt wegen Falschaussagen eine Bewährungsstrafe von einem Jahr, ein dritter Angeklagter, ein Investmentmanager, eine Geldstrafe. Das Verfahren gegen einen weiteren Angeklagten wurde eingestellt.
Das Gericht hat für den Prozess gegen Goetz bis Mitte Januar 23 Verhandlungstermine angesetzt, offenkundig geht das Gericht von einer langen Beweisaufnahme aus.
Goetz und Sanktjohanser waren früher Eigentümer des Beratungsunternehmens Goetzpartners. Nach Inhaftierung der beiden geriet das Unternehmen in Turbulenzen. Im Herbst 2024 wurde es im Rahmen eines Management-Buy-Outs an eine Gruppe eigener Mitarbeiter verkauft, mittlerweile firmiert es unter dem Namen „Fortlane Partners“.
