So richtig schlau werden wir aus Vera Mücke und Alexandra Gröber und ihrer Auswahl nicht. Da machen die beiden Autorinnen – Zwillingsschwestern, die eine früher Lehrerin, die andere Designerin und Medienunternehmerin und beide engagierte Wildkräuter-Expertinnen – gemeinsam ein Buch über, na ja, Wildkräuter. Und dann kommt der Bärlauch auf den fast 200 Seiten ihres Werkes kein einziges Mal vor.
Und auch die Grüne Soße, das unbestritten beste und bedeutendste aller Kräutergerichte, hat unter den Rezepten, die die beiden zusammengetragen haben, keinen Platz gefunden. Einzig der Pimpinelle widmen die Autorinnen in ihrem Kanon der „32 wichtigsten Wildkräuter“ zwei Seiten und ein Foto. Und tatsächlich ist dort auch einmal in einem Nebensatz von der „bekannten Frankfurter Grünen Soße“ die Rede. Die anderen sechs Kräuter, die traditionell in diesen Klassiker gehören und ihm seine aromatische Komplexität verleihen, suchen wir dagegen vergebens.

Nun, vielleicht sind Borretsch, Kerbel, Kresse, Petersilie, Sauerampfer und Schnittlauch den beiden Autorinnen einfach nicht wild genug. Und vielleicht haben sie deshalb auch den Bärlauch ausgespart. Der ist zwar wirklich ein wildes Kraut, das in vielen Wäldern zu finden ist und sogar einer Nutzungsbeschränkung unterliegt, sprich: Nur das Pflücken in geringen Mengen für den Eigenbedarf ist außerhalb von Naturschutzgebieten erlaubt. Es gibt ihn inzwischen aber überall auf Wochen- und sogar in Supermärkten zu kaufen. So wie eben auch die sieben Kräuter der Grünen Soße.
Es mag also diese „Kommerzialisierung“ sein, die die Kräuter-Zwillinge dazu gebracht hat, ihre eigenwillige Auswahl zu treffen. Nur bleibt dann die Frage, wie es Brennnessel, Holunder, Minze, Rosmarin und Thymian in das Buch geschafft haben. Die kann man schließlich auch auf dem Markt bekommen und muss nicht durch Wald und Wiesen streifen, um sie selbst zu sammeln.
Nun, wir wollen nicht zu viel meckern. Auch ohne Bärlauch und Grüne Soße haben Mücke und Gröber ein faktenreiches und schön bebildertes Buch geschrieben. Mit seiner Mischung aus Grundinformationen und Rezepten ist es weder ein reines Nachschlagewerk noch ein reines Kochbuch und bietet durchaus auch unterhaltsames Lesevergnügen. Sehr praktisch und hilfreich sind die Tipps zum Sammeln und Bestimmen sowie die für jedes Kraut aufgeführten Erkennungsmerkmale und typischen Standorte.
Ein bisschen zu schwärmerisch geraten sind ihre Ausführungen zu den segensbringenden Wirkstoffen ihres „wahren Superfoods“. Aber dafür sind die Rezepte, die sie zu jedem Kraut vorstellen, sehr vielseitig und gut nachvollziehbar beschrieben, ob es nun die Brennnessel-Chips, das Wildkräuteröl, die Frittata mit Knoblauchrauke oder der Rotklee-Smoothie sind. Die Palette reicht von Brot und Kuchen über Snacks und Salate bis zu Tees und „Omas Ringelblumen-Salbe“.
Vera Mücke und Alexandra Gröber: „Wild. Kräuter. Vielfalt.“, Jan Thorbecke Verlag, Ostfildern 2026, 186 Seiten, 32 Euro.
