
Zu Beginn des Wahljahrs 2024 hatte Farage – der zu jenem Zeitpunkt seine Kandidatur für den Wahlkreis Clacton-on-Sea jedenfalls noch nicht öffentlich erklärt hatte – eine Spende von einem befreundeten Krypto-Finanzier in Höhe von fünf Millionen Pfund (etwa 5,75 Millionen Euro) erhalten. Diese Zahlung war vor rund zwei Monaten durch Recherchen der Zeitung „Guardian“ enthüllt worden. Jetzt fand die „Sunday Times“ heraus, dass ein anderer Gönner Farage Mitarbeiter und Büroraum zur Verfügung stellte. Der finanzpolitische Sprecher seiner Partei, Robert Jenrick, beteuerte alsbald, auch diese Zuwendung an Farage habe „rein persönlichen Charakter“ gehabt.
Verschiedene Erklärungsversuche
Die erste Veröffentlichung über nicht deklarierte Zuwendungen Ende April hatte bewirkt, dass der durchaus nicht kamerascheue Parteichef von Reform UK wochenlang weder Pressekonferenzen noch Interviews geben mochte. Ende Juni beteuerte er dann patzig in einer Reihe von Fernsehauftritten, die Spende des in Thailand lebenden britischen Geschäftsmannes Christopher Harborne sei ein „rein persönliches Geschenk“ an ihn gewesen, mit dem er machen könne, was er wolle.
Diese Erläuterung wich deutlich ab von den ersten Erklärungsquittungen, die Farage für den Erhalt der fünf Millionen ausgestellt hatte. Da hatte der Reform-Parteichef noch angegeben, das Geld solle seine persönliche Sicherheit gewährleisten; die Summe sei so großzügig bemessen, um sicherzustellen, dass er davon lebenslang die notwendigen Bodyguards finanzieren könne. Schließlich, so hatte Farage hinzugefügt, sei er der am höchsten gefährdete Politiker Großbritanniens.
Drohende Sanktionen
Offenkundig dämmerte der Parteiführung von Reform UK nach einer Weile, dass die beschworene berufliche Gefährdung ihres Spitzenmannes sich argumentativ nur unter Mühen mit der Annahme von ganz persönlichen Geschenken zur Abwehr dieser Berufsgefahr in Einklang bringen lässt. Also hieß es dann eine Weile lang, Harbornes großzügige Gabe – die er später um eine mehr als doppelt so großzügige, ordnungsgemäß deklarierte Spende an die Partei Reform UK ergänzte – sei ein Dankeschön gewesen für das große Engagement, mit dem Farage den Austritt des Vereinigten Königreiches aus der EU betrieben habe.
Die geltenden parlamentarischen Standards sehen vor, dass Abgeordnete nicht nur alle Zuwendungen deklarieren müssen, die sie als Mandatsträger erhalten, sondern auch jene Spenden und geldwerten Vorteile, die sie in den zwölf Monaten vor ihrer erfolgreichen Wahl ins Unterhaus erhalten haben. Ausdrücklich ausgenommen sind nur jene „rein persönlichen Geschenke oder Zuwendungen“, als die Farage seine Spenden nun verstanden wissen will. Der Parlamentsbeauftragte für die Einhaltung der Spendenregeln untersucht nun den Vorfall. Falls er Farages Verhalten als Regelverstoß beurteilt, drohen Sanktionen, die bis hin zur zeitweiligen Suspendierung des Abgeordneten oder sogar zu seiner Abwahl führen könnten.
Der Abgeordnete mit dem höchsten Einkommen
Auch im Fall der überlassenen Mitarbeiter und Büros dürfte der Nachweis der „ganz persönlichen Geschenke“ schwerfallen. Der Krypto-Geschäftsmann George Cottrell, der einst in Amerika eine Gefängnisstrafe wegen Betruges abgesessen hat, war Farage noch in anderer Weise behilflich; er zahlte etwa eine Flugreise nach Brüssel für den Reform-UK-Parteichef im April 2024. Diese geldwerte Zuwendung wurde von Farage vorschriftsmäßig als Spende deklariert, während die anderen Zuwendungen Cottrells fehlen.
Farage, der einst als Edelmetall- und Rohstoffhändler an der Londoner Börse tätig war, beklagte vor Jahren in einem Radio-Interview, dass in der Politik kein Geld zu verdienen sei. Daraufhin sah er sich nach anderen Einnahmequellen um. Er moderierte Sendungen für den russischen Propagandakanal Russia Today und für den privaten britischen Sender GB-News, schickte gegen Bezahlung Geburtstagsgrüße mit bestellten Texten an seine Anhänger und machte Werbung für einen britischen Goldbarrenhändler. So verdiente er ausweislich seines parlamentarischen Einkommensregisters im vergangenen Jahr umgerechnet mehr als 310.000 Euro. Er führt mit seinen Einkünften die Liste aller 650 Unterhausabgeordneten an.
