
Bis Ende Juli soll sich in Stuttgart entscheiden, ob die Stadt – trotz Automobilkrise und dramatischer Einnahmeverluste – an ihrem Plan festhalten kann, das 1912 gebaute Opernhaus von 2033 an zu sanieren. Der Stuttgarter Gemeinderat entscheidet am 30. Juli über die Freigabe der Gelder für die Planungen und den Bau einer Interimsoper.
Um das Projekt nicht zu gefährden, haben Kultur- und Wissenschaftsministerin Petra Olschowski (Grüne), Oberbürgermeister Frank Nopper (CDU) sowie der Geschäftsführer der Opern-Sanierungsgesellschaft, Christoph Niethammer, nun Vorschläge für einen günstigeren Interimsbau gemacht. Die Baukosten sollen auf 289 Millionen Euro begrenzt werden. Erreicht wird das durch einfachere Bühnentechnik und eine Reduzierung der Sitzplätze. Ursprünglich waren für den Interimsbau 224 Millionen Euro veranschlagt worden. Dem Vernehmen nach kam es in den vergangenen sechs Jahren zu einer Verdoppelung der Kosten auf 400 Millionen Euro. Eine solche Investition wäre angesichts der Krise politisch nicht mehrheitsfähig, auch wenn das Land sich beteiligt.
Die Gesamtkosten der Opernsanierung werden auf zwei Milliarden Euro geschätzt. Der frühere Stuttgarter Oberbürgermeister Fritz Kuhn (Grüne) hatte die Realisierung eines anderen Ersatzspielorts gestoppt, weil ihm 116 Millionen Euro in wirtschaftlich guten Zeiten zu teuer waren. Dadurch hatte sich die Sanierung abermals verzögert. Im Doppelhaushalt 2026/2027 muss Stuttgart Ausgaben in Höhe von 700 Millionen Euro kürzen und zugleich Schulden aufnehmen.
