
Nicht Hessen, sondern Frankfurt ist vorne: Die Mainmetropole hat den besten Nahverkehr in Deutschland. Das zumindest weist der ÖV-Atlas von Agora Verkehrswende aus, einem Berliner Thinktank für klimaneutrale Mobilität. ÖV steht für öffentlichen Verkehr, und dieser wurde für die Bewertung in Güteklassen eingeteilt. Dazu werden Fahrplandaten und Bevölkerungszahlen aus dem Zensus verknüpft. In Rastern von 100 mal 100 Metern wird erfasst, wie weit die nächste Haltestelle entfernt liegt, wie häufig Abfahrten angeboten werden und wie groß die Auswahl an Verkehrsmitteln ist.
Frankfurt liegt mit der Güte 1,3 an der Spitze der deutschen Großstädte. Danach folgen Stuttgart, München, Hannover, Karlsruhe, Düsseldorf und Darmstadt dichtauf mit einem Wert von 1,4. Die Hauptstadt Berlin liegt mit 1,5 auf Platz acht. Schlusslicht ist die Stadt Hamm mit einer Güte von 3,5. Grundsätzlich zeigt die Auswertung nach Angaben von Agora, dass das Angebot in den großen Städten und deren Umgebung besser ist als auf dem Land. 21 Millionen Menschen in ländlichen Regionen hätten nicht einmal ein gutes Grundangebot. Das entspricht einer Haltestelle in 250 Meter Entfernung, an der werktags alle 30 Minuten ein Bus abfährt.
Nach den Atlas-Daten muss sich in Frankfurt niemand mit weniger zufriedengeben. Im Gegenteil: 95 Prozent können auf ein Angebot der beiden besten Güteklassen A und B zurückgreifen. Schon im ersten ÖV-Atlas von 2021 schnitt Frankfurt unter anderem wegen der Vielfalt des Angebots am besten ab. Denn hier fahren S-Bahnen, U-Bahnen, Straßenbahnen und Linienbusse. Grundlage der Qualitätsbewertung ist die Durchgängige Elektronische Fahrplan-Information Delfi. Kurzfristige Ausfälle werden daher nicht berücksichtigt.
Wie es tatsächlich um den Frankfurter Nahverkehr steht, lässt sich dem gerade vorgelegten Geschäftsbericht der lokalen Nahverkehrsgesellschaft Traffiq entnehmen. Demnach wurden 2025 auf den städtischen Linien 231,9 Millionen Fahrgäste befördert, 800.000 oder 0,35 Prozent mehr als im Vorjahr. Die Vor-Corona-Zahlen sind damit aber noch nicht wieder erreicht. Nach Worten von Traffiq-Geschäftsführer Tom Reinhold heißen die Herausforderungen Fachkräftemangel und fahrzeugbedingte Ausfälle.
Nachdem 2024 der Fahrplan deswegen ausgedünnt worden war, kehrte die U-Bahn voriges Jahr zum Normalfahrplan zurück. Das steht bei den Straßenbahnen wegen technischer Schwierigkeiten mit den Fahrzeugen noch aus. Die Zuverlässigkeit hat sich nach Angaben von Traffiq verbessert. In einem Monat fielen 2025 durchschnittlich 121 U-Bahn-Fahrten aus, 2024 waren es 228 gewesen. Die Pünktlichkeit hängt vom Verkehrsmittel ab: U-Bahnen sind mit knapp 88 Prozent verlässlicher als Straßenbahnen, von denen gut 84 Prozent pünktlich waren. Die Busse, die mit den Autos im Stau stehen, bilden mit 82 Prozent das Schlusslicht.
