Im Rückblick scheint seine Karriere wie an einem roten Faden gereiht: Nach Projekten in Ländern wie Indien, Türkei und Saudi-Arabien, bei denen der Ingenieur Reiner Peters stets für eines der Fachthemen die Verantwortung trug, ist er in Frankfurt beim Bau des neuen Gaskraftwerks der Mainova der Mann fürs Große und Gesamte. Der Projektleiter für das „Kohleersatzprojekt“, wie der Energieversorger und auch Peters den Neubau gerne nennen, verhandelt günstige Einkaufskonditionen, pocht auf die Einhaltung von Sicherheitsvorschriften oder prüft den geplanten Verlauf der vielen Rohrleitungen zu und von den zwei neuen Turbinen, die das Zentrum des 350 Millionen Euro teuren Strom- und Wärmefabrik bilden.
Diese Vielfalt der Themen sei es, die ihm an seiner Branche so gut gefalle, sagt der Maschinenbau-Ingenieur, dessen Sprachmelodie ihn sofort als Rheinländer ausweist. Er wuchs in der Nähe von Aachen auf. Nach dem Studium sah der heute Dreiundsechzigjährige seine Zukunft ganz klar in den Themen Software und Programmierung. Von wegen roter Faden. Als ihn dann sein Arbeitgeber, die ABB Kraftwerke AG, Anfang der Neunzigerjahre zum Systemleiter Elektro- und Leittechnik machte, habe ihn das ungewollt weggeführt von seinen Vorstellungen. Dafür hin zu seinem beruflichen Lebensthema: „Ich habe mich in die Kraftwerke reingefuchst.“

Für das voraussichtlich letzte Kraftwerk, das er in seiner Karriere baut, gilt das in jedem Fall. Peters kennt seine Zahlen, studiert die technischen Unterlagen nicht selten bis spät in die Nacht, um die Details zu durchdringen. Die Bezeichnung Workaholic passe auf ihn, räumt Peters ein. Dabei trete er mit dem Mainova-Auftrag schon viel langsamer: Nur noch zwischen seinem Wohnort Mannheim und Frankfurt zu pendeln empfinde er als wesentlich angenehmer als früher die ständigen Reisen zu Bauplätzen in Asien oder Nahost.
Für ihn persönlich sei das wesentlich wichtiger als die Tatsache, dass er seine Karriere mit einer Wegmarke für Frankfurt kürt. Das Kraftwerk an der Gutleutstraße prägt die Stadt architektonisch und ist ein wichtiger Bestandteil des geplanten Ausstiegs aus fossilen Energien. Schon der Umstieg von Kohle auf Gas wird die Menge an Kohlendioxid, das mit der Wärme- und Stromversorgung für die Stadt entsteht, reduzieren. Dass die Turbinen auch mit klimafreundlichen Gasen wie nachhaltig erzeugtem Wasserstoff laufen könnten, soll sie zukunftstauglich machen.
Solche Beteuerungen überlässt Peters der Mainova. Wenn er Gäste über die Baustelle führt, nimmt er seine Liebe zum Detail etwas zurück, erklärt die Funktion von Trafos, Turbinen und Wärmeabgabestation möglichst verständlich und legt den Fokus auf die Leistung aller Beteiligten. Es begeistert ihn, wenn alle Gewerke wie in einer Maschine ineinandergreifen und schließlich die Spezialkräne nach wochenlanger Vorarbeit tonnenschwere Lasten millimetergenau auf ihre Plätze hieven.

Im Gespräch mit Fachleuten kann er auch anders. Das Projekt genauestens zu kennen, sei Teil des Erfolgs, sagt Peters. Den kann er wohl für sich verbuchen. Das Vorhaben liegt im Zeit- und Finanzplan, die eigentliche Bauphase ist abgeschlossen. Mit Beginn des Winters soll das Kraftwerk die Wärme- und Stromversorgung für einen Großteil der Stadt übernehmen. Bis dahin laufen die Turbinen im Probebetrieb und versuchen die Techniker, die Effizienzgrade zu optimieren. Da könne er nicht mehr allzu viel beitragen, sagt Peters und hat den Kopf teilweise schon beim nächsten Bau, der auch eine Frankfurter Wegmarke darstellen wird: Neben dem neuen Kraftwerk soll ein 60 Meter hoher Wärmespeicher entstehen, auch dieses Großprojekt wird Reiner Peters leiten.
