Sie hat sie schon immer bewundert. Freundinnen mit unempfindlichen Füßen, die im Ladengeschäft in den billigsten Schuh schlüpfen und damit dann gleich loslaufen. Oder, noch verrückter, Schuhe im Internet bestellen. Sie könnte das nicht. Sie hat Prinzessinnenfüße, läuft im Geschäft stundenlang mit diversen Anprobeschuhen über den Teppich, um schließlich ein Modell mit nach Hause zu nehmen. Dort wird dann weiter geschnürt, gelaufen und getestet. Und nur mit Glück muss die Umtauschoption nicht gezogen werden.
Wanderschuhe sind eine besondere Herausforderung. Der letzte Stiefel hat viele Jahre gute Dienste getan, bis die Profilsohle abgelaufen war und es überhaupt einmal Zeit wurde für ein neues Paar. Natürlich wurde es in einem Fachgeschäft gekauft, einem Sportgeschäft mit guter Beratung direkt in den Bergen. War teuer. Fühlte sich aber gut an – bis zur ersten Wanderung. Da zwickte am rechten Fuß der kleine Zeh und an der Hacke scheuerte es. Nach dem Ausziehen dann die Gewissheit: Es hatten sich an beiden Stellen Hautblasen gebildet.
Das passiert dann, wenn sich durch ständige Reibung und Druck die oberste Hautschicht von der darunterliegenden Haut löst. In den Hohlraum fließt Flüssigkeit, um das empfindliche Gewebe zu schützen. Mit einem Blasenpflaster ist man dann erst einmal gut bedient. Es polstert die schmerzende Stelle ab, und da das Pflaster die Flüssigkeit aus der Blase aufnimmt und sich nach Erklärung von Blasenpflaster-Herstellern eine schützende Gelschicht bildet, heilt die Wunde schneller. So ein Pflaster sollte also in keinem Rucksack fehlen.

Wanderer mit empfindlichen Füßen können aber auch vor der Tour Verletzungen vorbeugen. Dass Schuhe passen, weder drücken noch zu viel Spielraum lassen, versteht sich von selbst. Auch dass sie vor einer ersten längeren Tour eingelaufen werden müssen. Socken sollten atmungsaktiv sein, damit der Schweiß abtransportiert wird. Baumwolle kann das nicht. Merinowolle nimmt Feuchtigkeit dagegen gut auf, kühlt bei Hitze und wärmt bei Kälte. Alternativ werden von Sportfachleuten auch Kunstfasern empfohlen oder eine Mischung aus beidem. Angenehm sind Socken mit einer gepolsterten Sohle. Noch besser, wenn sie keine Nähte haben. In jedem Fall müssen sie gut sitzen und dürfen keine Falten bilden.
Eine Empfehlung von Freunden hat den Prinzessinnenfüßen in diesem Sommerurlaub aber besonders gut geholfen: das Einreiben gefährdeter Stellen an den Füßen mit einem Anti-Blasen-Stick. Der sieht aus wie ein Fettstift für die Lippen und funktioniert auch so. Solche Stifte gibt es in der Drogerie inzwischen von Markenherstellern wie Compeed (etwa 5,95 Euro bei dm) oder 2 Euro günstiger von der Handelsmarke der Drogerie (3,95 Euro, Balea). Vaseline wird ebenfalls in Internetforen empfohlen, basiert aber auf Erdöl. Natürlicher sind Hirschtalgcremes, wenn sie tatsächlich Hirschtalg enthalten. Manchmal wird auch Vaseline beigemischt.
So oder so, die Füße gut geschmiert, bestrumpft und beschuht, sollte beim nächsten Wanderurlaub im Herbst kein Malheur passieren.
