Nach Klagen von zwölf US-Bundesstaaten sowie der Drehbuchautoren-Gewerkschaft setzt der Film- und Fernsehkonzern Paramount den geplanten Kauf des Konkurrenten Warner Brothers vorerst aus. Der Konzern will die mehr als 100 Milliarden Dollar schwere Übernahme erst nach einer Entscheidung zu den Klagen oder spätestens am 1. Juni 2027 weiter vorantreiben, wie aus Gerichtsunterlagen hervorgeht.
Eine Richterin hatte den geplanten Deal zunächst bis Mitte August ausgesetzt, nachdem die demokratisch regierten Bundesstaaten und die Drehbuchautoren eine einstweilige Verfügung gegen den Vollzug der Übernahme gefordert hatten. Mit der Aussetzung der Übernahme sind die Forderungen nach einer einstweiligen Verfügung vorerst hinfällig. Die separaten Klagen der Bundesstaaten und der Drehbuchautoren wurden inzwischen in einem Verfahren zusammengeführt.
Vordergründig ein Wettbewerbsstreit
Vordergründig handelt es sich bei der Klage der Bundesstaaten um einen Wettbewerbsstreit. Die Bundesstaaten argumentieren unter anderem, der Zusammenschluss werde den Wettbewerb bei populären Filmen verzerren und dadurch die Kinos unter Druck setzen. Aus Sicht der Richterin konnten sie zumindest demonstrieren, dass Paramount und Warner zusammen einen erheblichen Marktanteil in dem Geschäft hätten.
In der Vergangenheit hatten Kritiker allerdings auch darauf verwiesen, dass die Trump-Regierung nach einer Übernahme durch den Konzern des Milliardärs und Trump-Unterstützers Larry Ellison Einfluss auf kritische Berichterstattung nehmen könnte. So schlägt bereits der Fernsehsender CBS einen freundlicheren Ton gegenüber der Regierung ein, seit die Ellison-Familie Paramount im vergangenen Jahr übernommen hatte. Der Warner-Sender CNN berichtet bisher deutlich kritischer und wird dafür regelmäßig von der Regierung angegriffen.
Paramount verspricht teure Ausfallzahlungen
Für Paramount könnte der Aufschub ziemlich teuer werden. Um die Warner-Aktionäre zu überzeugen, versprach Paramount ihnen zusätzliche Zahlungen für jedes Quartal nach dem 30. September dieses Jahres bis zum Abschluss der Übernahme. Das dürfte den Konzern etwa 650 Millionen Dollar pro Vierteljahr kosten.
Paramount hatte ursprünglich damit geworben, dass der Deal zwischen den beiden
Unternehmen wettbewerbsrechtlich viel unproblematischer sein werde als
eine Übernahme durch den letztlich ausgestochenen Streaming-Riesen
Netflix. Warner und Paramount setzten sich den 4. Juni kommenden Jahres
als Frist für den Abschluss des Deals. Für den Fall, dass die Übernahme
platzen sollte, sagte Paramount Warner eine Vertragsstrafe von sieben
Milliarden Dollar zu.
