
Für Donald Trump war es ein ungewöhnlich stiller Tag. Zwar veröffentlichte er auf seiner Social-Media-Plattform im Minutentakt Beiträge, die sich gegen politische Gegner richteten. Aber zu den Treffen mit seinen Gästen im Weißen Haus ließ der amerikanische Präsident sich nicht ein. Von Sprecherin Karoline Leavitt hieß es knapp, die Gespräche mit Wolodymyr Selenskyj und Benjamin Netanjahu seien beendet und „positiv und produktiv“ gewesen.
Dann wandte man sich den Gedenkfeierlichkeiten für den gestorbenen Senator Lindsey Graham zu, die am Dienstag in der National Cathedral in Washington stattfanden. Auch hier überraschte Trump mit einer 15 Minuten langen Rede, in der er entgegen seiner Art weder vom Skript abwich noch scharfe politische Botschaften äußerte.
Es war kein Zufall, dass der Besuch der beiden Männer im Weißen Haus mit dem Gedenken an Graham zusammenfiel. Der ukrainische Präsident und der israelische Ministerpräsident waren nach Washington gereist, um dem lautstarken Unterstützer ihrer beiden Länder die letzte Ehre zu erweisen. Der republikanische Senator war Mitte Juli überraschend gestorben, kurz nachdem er von einer Reise aus Kiew zurückgekehrt war. Aber sowohl Selenskyj als auch Netanjahu nutzten den Moment in Washington auch, um sich abermals Trumps Unterstützung zu vergewissern.
Trump hatte schon gegen Netanjahu ausgekeilt
Diesmal war es Netanjahu, der es mit dem amerikanischen Präsidenten schwerer gehabt haben dürfte. Trump hatte ihn schon vor dem Gespräch indirekt in die Schranken gewiesen. Nach Berichten gefragt, wonach der israelische Ministerpräsident ihm Geheimdiensterkenntnisse zu einer Wiederaufnahme des iranischen Atomprogramms mitteilen wolle, gab der Präsident im Sender Fox News zurück, Netanjahu wolle ihn nur „involviert halten“. Er habe ihm das nicht zu sagen; die Amerikaner hätten das Atomprogramm der Iraner zerstört.
Nach dem eineinhalb Stunden langen Treffen drang jedoch kein Wort des Unmuts nach außen. Netanjahu hob auf seinem Instagram-Kanal hervor, das Gespräch sei eines der besten jemals gewesen. Vielleicht auch deswegen, weil Trump keine weiteren Truppenabzüge aus von Israel besetzten Gebieten gefordert haben soll. Netanjahus Kommunikationsdirektorin versicherte, er schreibe Trump keinesfalls vor, was er zu tun habe – und dränge ihn auch keineswegs. Der Ministerpräsident sagte, man sei sich darin einig, Iran dürfe niemals eine Atomwaffe besitzen. Das freilich ist der kleinste gemeinsame Nenner.
Schmerzhafter Besuch für Selenskyj
Für Selenskyj dürfte es ein schmerzhafter Besuch in Washington gewesen sein. Nicht wegen Trump, mit dem er nach eigener Aussage ein gutes Treffen hatte und der sich in den vergangenen Wochen ungewohnt wohlwollend gegenüber dem ukrainischen Präsidenten gezeigt hat. Mit Lindsey Graham musste Selenskyj vom einflussreichsten Fürsprecher der Ukraine beim Präsidenten Abschied nehmen.
Wie das Gespräch mit Trump lief, war den wenigen Sätzen auf X nicht zu entnehmen. Man habe auch über die Lizenz zur Produktion des Patriot-Flugabwehrsystems gesprochen, wie sie der amerikanische Präsident während des NATO-Gipfels in der Türkei ins Spiel gebracht hatte. Ob in diesem Fall Konkreteres beschlossen wurde, führte Selenskyj jedoch nicht aus.
Immerhin einem Erfolg konnte Selenskyj während seines Besuchs entgegensehen. Es sah ganz so aus, als würde der Senat am Dienstagabend für einen vom verstorbenen Senator Graham vorangetriebenen Gesetzentwurf zu schärferen Russlandsanktionen stimmen. Der sieht unter anderem strenge Zölle gegen Länder wie China und Indien vor, die große Mengen russischen Öls importieren.
Das wäre freilich auch eine Hommage an Graham, den Trump in seiner Rede in der Kathedrale als „Naturgewalt“ bezeichnete. Der Senator habe ein starkes Amerika gewollt und sei extrem falkenhaft gewesen. Es habe keinen Krieg gegeben, so Trump, den Graham nicht gemocht habe. Das galt jedenfalls für Iran.
