
Der japanische Autokonzern Toyota Motor will von 2028 an in seinen eigenen Fabriken und den Werken seiner wichtigsten Zulieferer 400.000 Roboter einführen. Darunter sollen selbst entwickelte Humanoide sein, die an der Seite der menschlichen Angestellten arbeiten und die weitere Automatisierung der Autoproduktion vorantreiben. Die Pläne hat der Konzern am Rande der IAA gegenüber europäischen Investoren bekannt gegeben, wie japanische Medien nun berichteten. Ein Sprecher des Konzerns bestätigte die Pläne gegenüber der F.A.Z.
Zu den Robotern, die eingesetzt werden sollen, zählt demnach ein Humanoide namens Eley, der Hände mit zwei Fingern hat und vor allem feinmotorische Aufgaben gut bewerkstelligen kann. Seine bisherige Meisterleistung, mit der Toyota in Videos wirbt, ist das ordentliche Zusammenfalten von Hemden. In 1500 Versuchen über zwei Wochen hat er den Angaben zufolge seine Fähigkeiten perfektioniert. Aber auch für das Sortieren von kleinen Teilen von einer Box in die andere soll Eley, die Abkürzung steht für„Embodied Learning robot for Enhanced Yield“, geeignet sein.
Mitarbeiter tragen Roboterhände, um die Humanoiden zu trainieren
Der Roboter wird schon an einigen Produktionslinien eingesetzt und lernt dort, wie Arbeiter ihre Aufgaben ausführen. Dafür tragen die Beschäftigten während ihrer Arbeit Vorrichtungen an den Fingern, die den Fingern von Eley nachempfunden sind, und wiederholen damit ihre normalen Tätigkeiten mehrmals. Wenn der Roboter die Fähigkeiten der Mitarbeiter einmal gelernt hat, kann dieses Wissen nach Angaben des Konzerns kurzerhand an die übrigen Eley-Geräte in der ganzen Welt übertragen werden. Der Humanoid wiegt 50 Kilogramm und kann sowohl mit Batterien als auch über ein Stromkabel betrieben werden.
Ein anderes Modell, das Toyota für den Einsatz in den Fabriken modifizieren will, ist der CUE7, der im Frühjahr als Basketballspieler in einer Sporthalle in Tokio präsentiert wurde. Der mehr als 2,17 Meter große Humanoid bewegt sich wie der Eley auf Rädern und ist laut dem Konzern unter anderem gut für die Arbeit in Fabriken geeignet, wo über lange Zeit unter hohen Temperaturen gearbeitet werden muss.
Die geplante Entsendung der Roboter soll Teil einer Generalüberholung der Fabriken von Toyota und eng mit dem Konzern zusammenarbeitenden Zulieferern sein, in die von 2028 an jährlich eine Billion Yen (5,5 Milliarden Euro) investiert werden sollen. In den 60 Werken, die der Autokonzern selbst in aller Welt betreibt, sollen demnach 150.000 Roboter eingesetzt werden, in jenen von Konzernunternehmen 250.000. Ziel sei der rasche flächendeckende Einsatz der Roboter.
Als wahrscheinliches Arbeitsfeld für die menschenähnlichen Roboter nennt Toyota die Montage der Autos. Hier soll nun die Arbeitsumgebung so aufgestellt werden, dass Menschen und Humanoide gut zusammenarbeiten können. Doch die Humanoiden sind nach Angaben des Sprechers nur eine von drei Formen der angestrebten Automatisierung. Auch viele herkömmliche Roboter, die etwa zum Schweißen verwendet werden, sollen erneuert oder neu programmiert werden. Hinzu komme die weitere Automatisierung der Logistik durch die nahtlose Integration fahrerloser Transportsysteme in die Produktion.
Damit reiht sich Toyota ein unter den Autoherstellern, die mithilfe von Humanoiden ihre Produktion effizienter aufstellen wollen. Auch der koreanische Autokonzern Hyundai Motor hat angekündigt, in den nächsten Jahren immer mehr Roboter in seinen Fabriken einzusetzen. Von 2028 an soll der Humanoide Atlas von der Konzerntochtergesellschaft Boston Dynamics in einem Werk im US-Bundesstaat Georgia seine Arbeit aufnehmen und dort nach und nach immer komplexere Aufgaben übernehmen. Schon im Juni hat der Konzern, der gemessen an seinen Autoverkäufen die Nummer drei in der Welt hinter Volkswagen ist, dort ein Entwicklungszentrum eröffnet, in dem die Roboter für die Autoproduktion angelernt werden sollen. Vom Jahr 2028 an will Hyundai 30.000 Roboter im Jahr produzieren können.
Der deutsche Hersteller BMW testet derzeit gemeinsam mit dem Schweizer Roboterentwickler Hexagon in seinem Werk in Leipzig, inwieweit Humanoide in der Produktion mitarbeiten können. In seinem Werk in den Vereinigten Staaten erproben die Münchner schon seit einigen Jahren die Zusammenarbeit mit den Humanoiden von Figure AI.
