Remco Evenepoel hat die von der sturzbedingten Aufgabe des zweimaligen Gesamtsiegers Jonas Vingegaard überschattete 15. Etappe der Tour de France gewonnen. Der belgische Doppel-Olympiasieger vom deutschen Team Red Bull-Bora-hansgrohe triumphierte auf dem schwierigen Teilstück mit dem Schlussanstieg hinauf zur Alpen-Hochebene Plateau de Solaison vor dem Topfavoriten Tadej Pogačar.
„Es ist einfach unglaublich. Ich zittere buchstäblich vor Emotionen. Was für ein Tag“, sagte Evenepoel: „Man muss sich vor Augen führen, dass ich gegen den besten Fahrer aller Zeiten gefahren bin. Er hat am Schlussanstieg ein unglaubliches Tempo angeschlagen.“
Der Däne Vingegaard, der auf dem zweiten Gesamtrang gelegen hatte, kam in einer Kurve 22 Kilometer vor dem Ziel zu Fall und konnte das Rennen nicht fortsetzen. Bei dem verhängnisvollen Unfall, den Vingegaard selbst verursachte, als er mit hoher Geschwindigkeit in einer Rechtskurve wegrutschte, kamen mehrere Fahrer zu Fall. Auch Isaac Del Toro, Edelhelfer von Pogačar, stürzte, stieg aber schnell wieder aufs Rad und wurde letztlich Dritter.
„Das ist wirklich traurig, das zu sehen. Seit 2021 haben wir immer den Sieg ausgefochten untereinander. Am Anfang hatten wir nicht die beste Beziehung, aber die vergangenen Jahre sind wir so etwas wie Freunde geworden“, sagte Pogačar. „Die Tour wird nicht die gleiche sein ohne ihn“, fügte der viermalige Tour-Champion an.
Im Kampf um das Gelbe Trikot untermauerte Pogačar seine Vormachtstellung. Der viermalige Gesamtsieger aus Slowenien (UAE Emirates-XRG) verpasste nach seinem dominanten Erfolg vom Vortag aber etwas überraschend den fünften Tagessieg bei der 113. Frankreich-Rundfahrt und den 26. seiner Karriere. Tagessieger Evenepoel hat im Gesamtklassement 5 Minuten Rückstand auf Pogačar. Dessen Teamkollege Del Toro ist 5:58 Minuten Dritter hinter dem Slowenen. Florian Lipowitz rückte vom sechsten auf den fünften Rang vor – 6:48 Minuten hinter Pogačar und 1:48 hinter Evenepoel.
„Es wird darauf hinauslaufen“, antwortete Lipowitz in der ARD auf die Frage, ob er seinen Teamkollegen Evenepoel unterstützen werde. „Ich bleibe zuversichtlich. Es ist noch lang und es kommen noch sehr harte Tage. Das größte Ziel ist, auf dem Podium jemanden zu haben.“ Lipowitz und Evenepoel sind als Ko-Kapitäne für Red-Bull-Bora-hansgrohe in die Frankreich-Rundfahrt gestartet. Am Ende der ersten Tour-Woche hatte diese Doppelspitze zu teaminternen Spannung geführt, nachdem sich der Belgier darüber beschwert hatte, habe ihn Lipowitz seiner Meinung nach auf der sechsten Etappe nicht ausreichend unterstützt.
Am Montag steht der zweite und letzte Ruhetag der Rundfahrt an. Anschließend geht es mit einem Zeitfahren am Genfer See weiter, ehe gegen Ende der Woche in den Alpen die Entscheidungen in der Gesamtwertung fallen dürften. Evenepoel geht als großer Favorit in das Einzelzeitfahren am Dienstag.
