Mehr als jeder fünfte Selbstständige in Deutschland sieht seine finanzielle Zukunft aufgrund fehlender Aufträge in Gefahr. Laut einer Umfrage des ifo Instituts betrachten 20,6 Prozent der Selbstständigen ihre wirtschaftliche Lage als bedrohlich. In der Gesamtwirtschaft liegt dieser Wert mit 8,1 Prozent weniger als halb so hoch. »Die Kombination aus Auftragsmangel und wachsender Unsicherheit belastet die Selbstständigen zunehmend«, sagte Katrin Demmelhuber von der Stiftung.
Mit 48,4 Prozent hatte knapp die Hälfte der Befragten im April dieses Jahres zu wenig Aufträge. Das ist mehr als noch im Januar, als 46,6 Prozent von fehlenden Aufträgen sprachen. Der Anteil ist damit bei Soloselbstständigen und Kleinstunternehmen höher als in der Gesamtwirtschaft mit 39,0 Prozent. »Viele Unternehmen halten sich bei Aufträgen zurück, gleichzeitig bleibt die Konsumlaune gedämpft«, sagte Demmelhuber.
Geschäftsklima auf Tiefstand
Die angespannte Lage hat laut der Umfrage auch Auswirkungen auf das Geschäftsklima. Das Barometer in der Umfrage dafür fiel von minus 20,8 Punkten im März auf minus 29,9 Punkte im April und erreichte damit einen neuen Tiefstand. Der Einbruch der Erwartungen für die kommenden Monate setzte sich den Angaben nach fort. Auch die Urteile zur aktuellen Geschäftslage fielen deutlich öfter negativ aus.
Zugleich nimmt die Unsicherheit unter Selbstständigen zu. 38,8 Prozent geben an, ihre
künftige Geschäftsentwicklung im aktuellen wirtschaftlichen Umfeld schwer
einschätzen zu können. Im März dieses Jahres lag der Anteil noch bei 36,4 Prozent.
»Die Regierung darf keine Zeit mehr verlieren«
Der Verband der Gründer und Selbstständigen Deutschland (VGSD) forderte die Bundesregierung zum Handeln auf. »Die Regierung darf keine Zeit mehr verlieren«,
sagte der Vorstandsvorsitzende des VGSD, Andreas Lutz. Positive Impulse seien
auch ohne große Kosten möglich.
Das ifo Institut befragt für den Indikator in Zusammenarbeit mit dem
Softwareunternehmen Jimdo monatlich etwa 1.800 Solo-Selbstständige sowie
Kleinstunternehmen mit bis zu neun Mitarbeitenden. Der Schwerpunkt liegt auf
dem Dienstleistungssektor.
