Der digitale Musikdienst Spotify schützt Kinder und Jugendliche unzureichend vor Hass, Gewalt und Sexualisierung auf dessen Plattform. Laut Jahresbericht von Jugendschutz.net, einer staatlich geförderten Stelle zum Schutz von Kindern und Jugendlichen im Internet, leistet Spotify schlechte Vorsorge mit seinem unzureichenden Meldesystem für explizite Inhalte.
Spotify sei ein unterschätzter Problemfall, der nicht bloß Musikplattform sei, sondern auch ein Ort für rechtsextreme Musik, sexualisierte Gewalt gegen Minderjährige sowie Playlists mit selbstgefährdenden oder suizidalen Botschaften. Zudem gebe es auch unzulässige nutzergenerierte Inhalte wie verfassungsfeindliche Symbole und frei zugängliche pornografische Inhalte auf der Plattform.
Darüber hinaus kritisierte Jugendschutz.net das »schwer nutzbare und wenig effektive« Meldesystem. Eine standardmäßige Filterung expliziter Inhalte fehle und die altersangepasste Nutzung sei nur mittels elterlicher Begleitung möglich. Das entsprechende Tool setze aber eine teure Aboversion voraus.
Plattformen schützen Kinder oft erst, wenn eine Institution Druck macht
In seinem jährlich veröffentlichten Bericht untersuchte Jugendschutz.net neben Spotify mehrere Plattformen wie TikTok, YouTube, Snapchat, Discord oder WhatsApp. Die Organisation kritisiert, dass bei sogenannten Meldetests die Plattformen politisch extremistische Meldungen einzelner, normaler Benutzer deutlich weniger löschten als dies nach offiziellem Kontakt mit Jugendschutz.net der Fall sei.
So hätte YouTube nur zwei Prozent und Discord nur fünf Prozent der Inhalte gelöscht, die einzelne User meldeten. Nach Kontakt mit Jugendschutz.net hätten dagegen YouTube 97 Prozent und Discord 79 Prozent der Meldungen gelöscht. Die Meldungen trugen dem Bericht zufolge eindeutig verfassungswidrige Kennzeichen. Normale Nutzerinnen scheinen mit ihren Meldungen problematischer Inhalte bei den Plattformen nicht durchzudringen, stellt Jugendschutz.net fest.
Kinder werden auf Plattformen sichtbar sexualisiert
Sogenannte Family-Influencerinnen, die Eltern die Möglichkeit geben, ihre Kinder zu präsentieren, um Reichweite in den sozialen Medien zu erzeugen, gefährden laut Jahresbericht oft die Privatsphäre ihrer Kinder. Kinderbilder im Netz könnten bearbeitet und manipuliert, in einen anderen Kontext gestellt und zum Mobbing benutzt werden. Außerdem ließen sich durch die Preisgabe der Daten Rückschlüsse auf den Aufenthaltsort der Kinder ziehen.
Die Risiken beschränken sich dem Bericht zufolge nicht mehr nur auf klassische Social-Media-Inhalte. Interaktive KI-Systeme wie Charakter-Bots, virtuelle Influencer und KI-generierte Profile bildeten eine neue Gefahr.
Jugendschutz.net untersucht fortlaufend das Internet auf Gefahren für Kinder und Jugendliche, zum Beispiel Selbstgefährdung, politischer Extremismus, sexualisierte Gewalt oder Cybermobbing. Die Trägergesellschaft wurde 1997 als Stelle aller Bundesländer durch die Jugendministerinnen und -minister gegründet und handelt im gesetzlichen Auftrag. Sie wird finanziert von Landesjugendbehörden und den Landesmedienanstalten sowie gefördert vom Bundesbildungsministerium sowie der Europäischen Union.
