
Julia Krügers ist es gewohnt, allein unter Männern zu arbeiten. So hat die CDU-Politikerin es kürzlich selbst erzählt: Bevor sie im November 2020 erstmals zur Bürgermeisterin von Schmitten im Taunus gewählt wurde, war die Betriebswirtin im Management und in der Geschäftsführung von Unternehmen tätig. Am Sonntag haben die Einwohner der Gemeinde mit 9500 Einwohnern am Fuß des Großen Feldbergs Krügers wiedergewählt und die 50 Jahre alte Rathauschefin damit zur ersten Bürgermeisterin des Hochtaunuskreises gemacht, die jemals im Amt bestätigt worden ist. Krügers war die einzige Kandidatin. Deshalb sind die gut 70 Prozent Jastimmen ein ordentliches, aber kein überragendes Ergebnis.
Die Aufgaben in der Gemeinde mit vielen dörflichen Ortsteilen bleiben anspruchsvoll, vom akuten Trinkwassernotstand in diesem Sommer bis zur ärztlichen Versorgung in den nächsten Jahren. Offenbar trauen die Schmittener Krügers das weiterhin zu. Und sie selbst es sich auch. Das ist deshalb erwähnenswert, weil Frauen öfter als Männer davor zurückschrecken, den Hut für das Bürgermeisteramt in den Ring zu werfen. Nach einer Schätzung des Städte- und Gemeindebundes von Ende 2024 sind weniger als zehn Prozent der Bürgermeister in Hessen Frauen. Wenn sich die Bürgermeister des Hochtaunuskreises versammeln, trifft Krügers auf zehn Kollegen und zwei Kolleginnen.
Die Arbeitszeiten in der Politik, auch der lokalen, sind oft nicht gut vereinbar mit Care-Arbeit und klassischer Rollenverteilung. Für den Beruf des Bürgermeisters gibt es zudem keine klare Stellenbeschreibung. Ein gerade in der mittleren und älteren Generation noch verbreitetes Zaudern, ob die eigenen Fähigkeiten eine Aufgabe wohl zu 100, besser 120 Prozent erfüllen, hilft da nicht gerade.
Gut also, dass es Vorbilder wie die Schmittenerin gibt, für deren Arbeit in den vergangenen sechs Jahren die Wählerinnen und Wähler die einzige Kandidatin Krügers nun im Amt bestätigt haben – wenngleich die Beteiligung von gut 42 Prozent kein überragendes Interesse an der Wahl zeigt. In Schmitten kann die CDU-Politikerin jetzt die Arbeit fortsetzen – außer Wassergewinnung und den Plänen für ein medizinisches Versorgungszentrum etwa auch Kinderbetreuung, Straßenbau und Finanzen. Dabei schätzt Krügers nach eigener Aussage Teams, in denen sich männliche und weibliche Stärken und Sichtweisen mischen. Die CDU-Fraktion in der Gemeinde mit 9500 Einwohnern ist schon jetzt weiblich dominiert, und auch in der Verwaltung kann die Bürgermeisterin daran arbeiten, Frauen noch stärker einzubinden.
