Verbraucherschützer und Gewerkschaften warnen vor einer unterschwelligen Beeinflussung beim Trinkgeld durch vorprogrammierte Kartenlesegeräte. Beim Bezahlen in der Gastronomie zeigen Lesegeräte häufig bereits an eine Vorauswahl an Trinkgeldvorschlägen an. Die Chefin des Verbraucherzentrale Bundesverbands, Ramona Pop, kritisierte dies. »Es muss auf den ersten Blick erkennbar sein, wie Gäste Trinkgeld
ablehnen oder die Höhe selbst festlegen können.« Der Verband setze sich
daher für ein Verbot »manipulativer Designtricks« auf europäischer Ebene
ein, wie sie auch von Webseiten oder Apps bekannt seien.
»Manipulative Designtricks« lägen bei der Kartenzahlung vor, wenn die
Option, kein Trinkgeld zu geben, versteckt oder schlechter sichtbar
ist, sagte Pop. Felder mit voreingestellten
Prozentvorschlägen auf den Displays seien teils größer oder farblich
auffälliger dargestellt als andere Auswahlmöglichkeiten. Die Möglichkeit, kein Trinkgeld zu geben oder einen eigenen
Betrag einzugeben, müsse so sichtbar und einfach nutzbar sein wie vorgegebene
Trinkgeld-Optionen, sagte auch der Chef der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) Guido Zeitler.
Laut einer Umfrage im Auftrag des Verbands der Verbraucherzentrale befürworten es drei Viertel der Befragten, dass die Möglichkeit, kein Trinkgeld oder weniger
Trinkgeld zu geben, ebenso sichtbar und leicht auswählbar sein sollte
wie vorgeschlagene Beträge. Gezielt gefragt, ob man sich durch auffälliger dargestellte
Prozentoptionen zum Trinkgeldgeben gedrängt fühle, bejahte dies gut die
Hälfte, voll und ganz stimmten 36 Prozent zu, eher stimmten 16 Prozent
zu. Tendenziell nicht dazu gedrängt sehen sich 42 Prozent der Befragten. Für die Umfrage befragte das Institut Forsa den
Angaben zufolge vom 3. bis 5. August 1.009 Menschen ab 18 Jahren.
