Aus Ärger soll Antrieb werden: Die Emotionen von Abwehrchef Matthias Ginter und seinen Teamkollegen sollen dem SC Freiburg im Saisonfinale zusätzlichen Schub geben. Die Richtung ist klar: Wut in Energie umwandeln, den Blick nach vorn richten. Denn trotz der Last-Minute-Niederlage im Hinspiel der Europa League bei Sporting Braga (1:2) „ist noch alles drin“, sagte Trainer Julian Schuster. Der 41-Jährige nimmt nach dem bitteren Dämpfer in der Nachspielzeit „eine Mischung aus Ärger, Fokus und Glauben“ wahr.
Der Fokus richtet sich auf die anstehenden Aufgaben in der Fußball-Bundesliga, wo es an diesem Sonntagabend (19.30 Uhr im F.A.Z.-Liveticker zur Bundesliga und bei DAZN) gegen den VfL Wolfsburg wieder um Punkte im Kampf um die abermalige Europapokal-Teilnahme geht. Hinzu kommt der Glaube daran, im Rückspiel am kommenden Donnerstag (21.00 Uhr im F.A.Z.-Liveticker zur Europa League und bei RTL) das Duell mit den Portugiesen doch noch für sich zu entscheiden.
Dabei begleiten die Freiburger weiter auch gute Wünsche aus der Bundesliga. Denn nur mit einem Finaleinzug des Sport-Clubs in der Europa League und des FC Bayern in der Champions League lebt die Hoffnung auf weitere Startplätze in der Königsklasse weiter. Nach den knappen Niederlagen der beiden letzten deutschen Vertreter in den Halbfinal-Hinspielen ist der Rückstand auf den zweiten Platz im UEFA-Ranking auf Spanien erstmal wieder gewachsen.
Nur die Nationen auf den ersten beiden Plätzen bekommen einen zusätzlichen fünften Startplatz in der Champions League. Würde Freiburg die Europa League gewinnen, wären die Breisgauer dann sogar als mögliches sechstes Team aus der Bundesliga in der nächsten Saison in Europas Fußball-Beletage.
Im berühmten Felsenstadion von Braga ärgerte sich Ginter nach dem Abpfiff so sehr, dass er eine Jacke durch die Luft schleuderte und nach dieser trat. Außenverteidiger Philipp Treu verbarg seine Emotionen zwar. Ähnlich ging es dem 25-Jährigen dennoch, wie er zugab: „Ich war nach dieser Aktion so sauer. Ich hätte am liebsten alles kurz und klein hauen können.“
Die Freiburger hatten in der zweiten Halbzeit kaum etwas zugelassen und kassierten dennoch ein zweites Gegentor. „Wir haben schon den Anspruch, das besser zu verteidigen“, sagte Schuster. Pech sei nicht der Hauptgrund, meinte er.
Zumal sich die Freiburger auch bei ihrem Torhüter Noah Atubolu bedanken können. Der Keeper ließ zwar vor dem 1:2 in der Schlussphase den Ball unglücklich nach vorn abklatschen, parierte in der ersten Halbzeit aber auch einen Strafstoß des früheren Bundesliga-Spielers Rodrigo Zalazar. „So ein unnötiges Gegentor, das ist unfassbar. Wir machen es uns selbst schwer“, schimpfte „Elfmeter-Killer“ Atubolu, der im vergangenen Jahr mit fünf gehaltenen Strafstößen in Folge einen Bundesligarekord aufgestellt hat, bei RTL: „Das Problem war, dass ich den Ball nicht sehe.“
Für Trainer Schuster war das späte Gegentor „sehr, sehr ärgerlich“. Doch noch sei „alles drin“, meinte der Coach: „Es ist erst die Hälfte gespielt. Zu Hause mit den Fans ist alles möglich. Aber ein paar Dinge müssen wir besser machen.“ Ähnlich sah es Grifo. „Das Ende überwiegt leider, das Tor tut uns weh“, sagte der Routinier: „Aber ich glaube, dass wir zu Hause eine große Wucht haben.“
So lebt Freiburgs Traum vom Finale in Istanbul am 20. Mai. Dort könnte der Bundesligaverein auf Nottingham Forest oder Aston Villa treffen. Sollte es nichts mit dem Titelgewinn werden, kann in der heimischen Liga im Duell mit Eintracht Frankfurt zumindest noch die Qualifikation für die Conference League gelingen. In jedem Fall droht im Endspurt eine Zitterpartie: in der Liga und in der Europa League.
Bangen um sechs Champions-League-Startplätze
Der Kampf um maximal sechs mögliche Startplätze in der Champions League für Deutschland in der kommenden Saison wird in der entscheidenden Phase zur großen Zitterpartie. Nach den Hinspiel-Niederlagen des FC Bayern in der Champions League bei Titelverteidiger Paris Saint-Germain und des SC Freiburg in der Europa League in Braga wuchs der Rückstand auf den zweiten Platz im UEFA-Ranking auf Spanien wieder.
Die Spanier kommen auf 21,781 Punkte, Deutschland auf 21,214. Unangefochtener Spitzenreiter ist England mit 27,125 Zählern. Die Nationen auf den ersten beiden Plätzen bekommen einen zusätzlichen Startplatz in der Champions League. Würde der SC Freiburg die Europa League gewinnen, wären auch die Breisgauer dann als mögliches sechstes Team aus der Bundesliga in der nächsten Saison in der europäischen Meister-Klasse.
Die englische Premier League ist noch mit vier Vereinen in den Vorschlussrunden der Europapokalwettbewerbe vertreten: der FC Arsenal in der Champions League, Aston Villa und Nottingham Forest (im direkten Duell) in der Europa League und Crystal Palace in der Conference League. Aus Spaniens Primera División sind noch Atlético Madrid (Champions League) und Rayo Vallecano (Conference League) dabei. (dpa)
