Rauhe, Rufname „Ronny“, schwärmte dann mit leuchtenden Augen nicht nur von seinen Erfahrungen als Athlet, sondern auch vom Besuch der Sommerspiele 2024 in Paris als Zuschauer, als zum ersten Mal seine beiden Kinder dabei waren. Man konnte spüren: Da brennt einer für den Sport, für die olympische Idee, für den Nachwuchs.
Der Glanz eines Olympioniken
Das dürfte eine Erklärung sein, warum sich Bundeskanzler Friedrich Merz dafür entzündet hat, Rauhe diesen Posten anzuvertrauen. Und das nicht nur, weil die deutschen Olympia-Ambitionen – am 26. September entscheidet der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) über den nationalen Kandidaten – die wichtigsten sportpolitischen Projekte des Landes seit Langem krönen sollen. Obendrein dürfte Merz auch hoffen, dass vom Glanz eines Olympioniken auch etwas auf ihn abstrahlt, mehr jedenfalls, als das bei Christiane Schenderlein möglich war.
Aber, und das ist aus Sicht des Sports die gute Nachricht, Merz will nicht nur etwas von Rauhe, Rauhe will auch etwas von der Politik. Schon vor seinem Berliner Olympia-Engagement hatte der 44-Jährige seine eigene Erfahrung nachdrücklich in die Debatte um Sportförderung in Deutschland und die Vorbildwirkung für die Gesellschaft eingebracht.
Und das auf eine Weise, die klarmachte: Hier wird nicht genug getan. Nicht genug gefördert. Aber vielleicht auch nicht genug gefordert. Nur einen olympischen Posterboy (oder ein Postergirl) jedenfalls hat Merz sich nicht ins Kanzleramt geholt und auch niemanden aus dem Fußball, was ebenfalls im Sinne des Sports insgesamt sein dürfte.
Das alles kann aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass Rauhe auch mit einer Hypothek ins Rennen geht. Mit der Art und Weise, wie der Kanzler in dieser Sache verfahren ist, hat er dem Amt und dem Sport keinen Gefallen getan. Zwar handelt es sich beim Staatsminister formal betrachtet nicht um eine Personalie mit Ministerrang, wie der Titel suggeriert, sondern um den eines Staatssekretärs.
Gleichwohl stellte es für den Sport eine Zurücksetzung dar, dass der Bundeskanzler Christiane Schenderlein Ende Juli ohne vorherigen Hinweis an den DOSB aus- und zugleich ziemlich lange niemanden einwechselte. Auch, weil damit ihr Stuhl in der sechsköpfigen Evaluierungskommission für die Olympia-Konzepte von Berlin, München und dem Rhein-Ruhr-Gebiet mit Köln frei wurde.
Wenn diese am 22. September letztmalig tagt, wird Ronald Rauhe dabei sein, mit all seiner Leidenschaft. Noch schöner für den Sport wäre, wenn Merz selbst etwas mehr eigene erkennen ließe.
