
Nach der Übernahme der Marinetochtergesellschaft von der Lürssen-Werft hatte Rheinmetall damit gerechnet, schon bald einen weiteren Milliardenauftrag bilanzieren zu können. Doch kam es für den erfolgsverwöhnten Rüstungskonzern anders als gedacht, das Bundesverteidigungsministerium stoppte das milliardenschwere Fregattenprojekt F126, das Rheinmetall gerne für die Marine weiterentwickelt hätte. Zum Zuge kommt jetzt der Konkurrent TKMS – und der größte deutsche Waffenhersteller muss seine Prognose korrigieren.
300 Millionen Euro muss der Düsseldorfer Dax-Konzern von seinem erwarteten Jahresumsatz abziehen, weshalb er nun von einer Spanne zwischen 13,7 und 14,2 Milliarden Euro ausgeht. Das entspräche einem Wachstum von 28 bis 31 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Die operative Ergebnismarge soll 19 Prozent erreichen. Im zweiten Quartal ist die Marge auf einen Höchstwert von 17,1 Prozent gestiegen.
„Wir haben ein Rekordwachstum und sind auf bestem Wege, unsere nach wie vor sehr ehrgeizigen Jahresziele zu erreichen“, ließ sich der Rheinmetall-Vorstandsvorsitzende Armin Papperger am Donnerstag in einer Unternehmensmitteilung zitieren. Die starke Nachfrage halte an, und es gelinge dem Unternehmen immer wieder, wichtige Großaufträge zu gewinnen. „Auch im Marinebereich schauen wir nach vorn und arbeiten mit Hochdruck daran, als zuverlässiger Partner mit hoher Expertise unsere vorhandenen maritimen Aufträge zu erfüllen und auch im internationalen Umfeld neue Bestellungen zu generieren“, sagte Papperger.
Aktie von Rheinmetall hat in einem Jahr ein Drittel an Wert verloren
Nach Handelsbeginn lag der Aktienkurs von Rheinmetall leicht im Plus und damit knapp über dem Wert von 1200 Euro. Seit einem Jahr hat das Papier allerdings gut ein Drittel an Wert verloren. Über viele Jahre zuvor war der Aktienkurs infolge des russischen Angriffs auf die Ukraine und die daraus resultierende Aufrüstung vieler NATO-Staaten aber auch enorm gestiegen. Die Investmentbank Goldman Sachs etwa hat Rheinmetall mit einem Kursziel von 2300 Euro auf „Kaufen“ belassen, MWB Research hingegen empfiehlt Anlegern zu verkaufen aufgrund eines Kursziels von 1050 Euro.
Das Marinegeschäft ist seit Ende des ersten Quartals in der Konzernberichterstattung enthalten. Naval Systems hat in den ersten vier Monaten nach der Übernahme einen Umsatz von 334 Millionen Euro erzielt, was im Wesentlichen aus laufenden Schiffsneubauprogrammen stammt. Aus Rumänien hat der Rüstungskonzern kürzlich einen milliardenschweren Auftrag erhalten, zu dem auch der Bau von vier Marineschiffen im Wert von 920 Millionen Euro gehört. Dadurch stieg der Auftragseingang, Nomination genannt, um etwas mehr als eine Milliarde Euro. Der Backlog, der Aufträge sowie erwartete Abrufe aus Rahmenverträgen umfasst, liegt in der Sparte bei 6,3 Milliarden Euro.
Panzer für die Bundeswehr stützen das Geschäft
Auf Konzernebene lagen der Auftragseingang und das Volumen aus neu abgeschlossenen Rahmenverträgen im ersten Halbjahr mit 16,2 Milliarden Euro um 28 Prozent über dem Wert des Vorjahres. Dadurch erhöhte sich der Backlog deutlich im Vorjahresvergleich von 56 auf 80,5 Milliarden Euro. Der Umsatz legte in den ersten sechs Monaten um 39 Prozent auf 5,3 Milliarden Euro zu, das operative Ergebnis sprang um drei Viertel im Vergleich zum Vorjahr an. Das lag vor allem daran, dass Rheinmetall die Produktion hochgefahren hat und von einem „günstigen Produktmix“ profitiert.
Wachstumstreiber war zuletzt das Fahrzeugsegment. Zahlreiche Aufträge für taktische Rad- und Kettenfahrzeuge, unter anderem von der Bundeswehr für den Schützenpanzer Puma, stützten das Geschäft. So stieg der Auftragsbestand um 41 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Auch die Marge konnte Vehicle Systems steigern, von 9,4 auf 11,3 Prozent. Im Konzernvergleich gehören die schweren Fahrzeuge allerdings nicht zu den profitabelsten Produkten.
Das ist vielmehr die Munition. Als einer der größten Hersteller der Welt hat Rheinmetall seine Produktionskapazität dort zuletzt enorm ausgebaut und konnte seinen Umsatz abermals um ein Drittel steigern, etwa durch Aufträge aus der Ukraine und Ungarn. Die Marge im Munitionsgeschäft liegt bei 23,7 Prozent.
Die größten Zuwächse verzeichnete jedoch der Bereich Luftabwehr, was vor allem durch die starke Nachfrage nach bodengestützter Luftverteidigung und Drohnenabwehr getragen war. Um zwei Drittel legte der Umsatz zu, vor allem wegen Skynex- und Skyranger-Flugabwehrsystemen. Der Auftragsbestand kletterte gar um achtzig Prozent.
