In Kolumbien haben die Menschen bei
der ersten Runde der Präsidentschaftswahl abgestimmt. Der Urnengang gilt
als Richtungswahl: Die Bürger in dem südamerikanischen Land waren
aufgerufen, sich inmitten zunehmender Gewalt zwischen einem linken
Kandidaten und dessen rechtsgerichteten Rivalen zu entscheiden. Etwa 41 Millionen Kolumbianerinnen und Kolumbianer sind wahlberechtigt.
Erste verlässliche Ergebnisse werden gegen 20 Uhr
Ortszeit (3 Uhr MEZ) erwartet. Für einen Sieg ist mehr als
die Hälfte der abgegebenen Stimmen notwendig. Es treten 14 Kandidatinnen und Kandidaten an. Eine
Stichwahl in drei Wochen zwischen dem linken Senator Iván Cepeda und dem
rechtsgerichteten Anwalt Abelardo de la Espriella gilt
als wahrscheinlich.
Cepeda erzielte zuletzt in Umfragen hohe
Zustimmungswerte. De la Espriella liegt demnach knapp vor der zweiten
rechten Kandidatin, der Senatorin Paloma Valencia. Cepeda will den Kurs des scheidenden
Amtsinhabers Gustavo Petro fortsetzen, des ersten linken Präsidenten in
der Geschichte Kolumbiens. Petro darf laut der Verfassung
nicht erneut antreten.
Überschattet wird die Wahl von einem deutlichen
Anstieg der Gewalt. Während Petros vierjähriger Amtszeit sank die
Arbeitslosigkeit, der Mindestlohn stieg um 75 Prozent. Doch trotz
Verhandlungen der Regierung mit den Guerilla- und paramilitärischen
Gruppen des Landes verschlechterte sich die Sicherheitslage deutlich.
Kolumbien leidet seit Jahrzehnten unter bewaffneten Konflikten, an denen
neben der Armee und linken Guerillagruppen auch rechte Paramilitärs und
Drogenbanden beteiligt sind.
Linker Kandidat gegen gespaltenes rechtes Lager
Cepeda, Sohn eines ermordeten kommunistischen Politikers,
verspricht Friedensverhandlungen mit illegalen bewaffneten
Gruppen – eine Politik, die unter dem amtierenden Präsidenten
Gustavo Petro bislang kaum Fortschritte verzeichnet hat. Zudem
plant er Reformen zur Bekämpfung von Armut und Ungleichheit,
darunter Steuererhöhungen für Spitzenverdiener, die Übergabe von
einer Million Hektar Land an Opfer des jahrzehntelangen
innerstaatlichen Konflikts sowie den Ausbau der
Gesundheitsversorgung.
Der 47-jährige Anwalt und Geschäftsmann Abelardo De La
Espriella liegt in den Umfragen dicht hinter Cepeda. Er
bekleidete noch nie ein politisches Amt. De la Espriella
präsentiert sich als politischer Außenseiter und fordert ein
hartes Vorgehen gegen bewaffnete Banden sowie den Bau von zehn
neuen Gefängnissen. Er warnt vor einer Fortsetzung der
umstrittenen Wirtschaftspolitik Petros unter Cepeda, wie etwa
einem Verbot neuer Ölprojekte.
Den dritten Platz in den Umfragen belegt Paloma Valencia.
Die Senatorin wird vom ehemaligen Präsidenten Álvaro Uribe unterstützt und gilt als führende Kandidatin des rechten Lagers.
Ihr Programm ähnelt in Teilen dem von De la Espriella und sieht
ein hartes Vorgehen gegen Korruption, Drogenhandel und
bewaffnete Gruppen vor. Sie befürwortet zudem Steuersenkungen
für Unternehmen, um Arbeitsplätze zu schaffen, sowie
Sozialprogramme, die durch eine Wiederaufnahme der Öl- und
Gasexploration finanziert werden sollen.
