Der Sportwagenhersteller Porsche hat sein nächstes Sparpaket auf den Weg gebracht. Wie am frühen Mittwochabend mitgeteilt wurde, hat das Management um Vorstandschef Michael Leiters dem Aufsichtsrat des Stuttgarter Unternehmens den aktuellen Stand der Verhandlungen mit den Arbeitnehmervertretern vorgestellt. Das Kontrollgremium habe „hierfür seine Unterstützung zugesagt“, teilte ein Sprecher im Anschluss an die Sitzung mit.
Die Einigung sieht vor, dass das Unternehmen rund 5000 Stellen am Stammsitz in Zuffenhausen und am Entwicklungszentrum in Weissach abbaut, übertarifliche Zulagen streicht und die Produktion strafft, also technische Kapazität in den Werken verringert. Im Gegenzug weitet Porsche die Beschäftigungssicherung, die bislang bis zum Jahr 2030 lief, bis zum Jahr 2035 aus. Porsche sagt außerdem Investitionen zu.
Insgesamt baut Porsche 9000 Stellen ab
Mit den Maßnahmen kommt der Sportwagenhersteller nach eigener Einschätzung auf Einsparungen in Milliardenhöhe, die zu einem großen Teil wieder in Zuffenhausen und Weissach investiert werden sollen, um die Wettbewerbsfähigkeit der beiden Standorte zu steigern. Porsche will die Stellen vor allem in der Verwaltung und in der Entwicklung streichen. Mit dem ersten Sparpaket, das Porsche Anfang 2025 angekündigt hat, summiert sich die Zahl der Arbeitsplätze, die Porsche in Baden-Württemberg abbaut, nun auf rund 9000. Werden die Pläne so umgesetzt, entspräche das mehr als einem Drittel der Beschäftigten in Weissach und Zuffenhausen, und etwas mehr als einem Fünftel der gesamten Belegschaft der Porsche AG.
Noch am Mittwochabend informierte das Unternehmen die engere Führungsmannschaft über Details der Einigung. Die Belegschaft will der Porsche-Chef am kommenden Montag auf Betriebsversammlungen über die Einzelheiten in Kenntnis setzen.

Im Management des Mutterkonzerns Volkswagen wird der Beschluss in Stuttgart mit einiger Sorge gesehen. Denn die Beschäftigungsgarantie für die Porsche-Standorte bis zum Jahr 2035 wird im VW-Konzern als starkes Zugeständnis an die Angestellten des Sportwagenherstellers gewertet – während im Wolfsburger Konzern gleichzeitig harte Einschnitte bis hin zur Schließung von drei VW-Werken und einer Audi-Fabrik verhandelt werden. Einschließlich der schon beschlossenen Einschnitte stehen im ganzen Konzern mehr als 100.000 Arbeitsplätze zur Disposition.
VW-Chef Blume setzte als Porsche-Chef kein Sparpaket durch
Der Wolfsburger Konzernbetriebsrat hat schon angekündigt, das Management um VW-Chef Oliver Blume Ende August auf Betriebsversammlungen zur Rede stellen zu wollen. Am 4. September ist in Wolfsburg dann die nächste Aufsichtsratssitzung geplant, auf der das Ringen um Werksschließungen und Stellenabbau weitergehen soll. Befürchtet wird, dass die jetzt vereinbarte Lösung in Stuttgart die Verhandlungsposition von Blume untergräbt und Forderungen laut werden lässt, dass er den Wolfsburger Betriebsräten ähnlich stark entgegenkommen soll.
VW-Chef Blume hatte den Sportwagenhersteller Porsche selbst lange geführt, eine Zeit lang sogar parallel zum Mutterkonzern VW. Auch er hatte bei Porsche schon über das zweite Sparpaket verhandelt, erzielte seinerzeit aber keinen Abschluss mit den Arbeitnehmervertretern, unter anderem, weil er sich nicht auf die weitreichende Beschäftigungsgarantie einlassen wollte. Im Januar hatte er dann den Chefposten bei Porsche in Stuttgart abgegeben, um sich ganz auf die Rolle als VW-Chef zu konzentrieren.
Lösung bei Porsche erschwert die Verhandlungen bei VW
Das Vorgehen des Porsche-Managements werde jetzt natürlich „Begehrlichkeiten“ in den Belegschaften der anderen Konzernteile wecken, sagt ein Insider. Das gilt besonders, weil die Arbeitnehmer an VW-Standorten wie Wolfsburg schon lange mit Argwohn auf die Kollegen von Porsche im Südwesten schauen, die zu vergleichsweise hohen Kosten arbeiten. „Die haben alle Narrenfreiheit da unten“, hieß es am Mittwoch in Kreisen der Arbeitnehmervertreter. Dort wird gemutmaßt, dass die Aktionärsfamilien Porsche und Piëch mit zweierlei Maß messen und eher schonend mit Porsche umgehen – dem Unternehmen, das ihren Namen trägt.
In Stuttgart dagegen glaubt man, einen tiefgreifenden Umbau auf den Weg gebracht zu haben. Wie die F.A.Z. schon berichtet hatte, sollen die Verhandlungspartner bereits am vergangenen Wochenende kurz vor einer Einigung gestanden haben. Im Gespräch war zu dem Zeitpunkt neben der Standortgarantie bis 2035 unter anderem ein sozialverträglicher Abbau weiterer 3000 bis 4000 Stellen. Mit der nun vereinbarten Streichung von 5000 Arbeitsplätzen ist der endgültige Beschluss etwas schärfer als am Wochenende noch von den Arbeitnehmervertretern erhofft.

Zudem beschloss der Aufsichtsrat die Umbildung des Vorstands. Neu in das oberste Management kommt Christian Friedl. Der Qualitätschef soll Produktionsvorstand Albrecht Reimold ablösen, der sowieso Ende des Jahres in Ruhestand gegangen wäre und nun seinen Posten Ende August mit dem Ende der Werksferien bei Porsche abgibt. Hintergrund ist, dass Leiters beim Kapitalmarkttag am 15. Oktober das komplette Team präsentieren will, das unter seiner Leitung den Sportwagenhersteller in den kommenden Jahren neu ausrichten soll.
Porsche hat das Problem, dass weder das Stammwerk in Stuttgart-Zuffenhausen, in dem die Sportwagen vom Band laufen, noch die in eine Tochtergesellschaft ausgegliederte SUV-Fabrik in Leipzig ansatzweise ausgelastet sind. Im ersten Halbjahr 2026 ging der Porsche-Absatz im Vergleich zum Vorjahr noch einmal um 16 Prozent auf 122.306 Fahrzeuge zurück. Zuvor war schon das Geschäftsjahr 2025 sehr schlecht gelaufen. Vor allem die teure Neuausrichtung der Modellpalette belastete das Ergebnis, nachdem Porsche den Hochlauf der Elektromobilität falsch eingeschätzt und im September verkündet hatte, wieder verstärkt auf Autos mit Verbrenner zu setzen. Außerdem schlugen Aufwendungen für das erste Sparpaket ins Kontor.
Der operative Gewinn (Ebit) sank 2025 um 92,7 Prozent auf 413 Millionen Euro. Nur mit dem Verkauf von Autos – also ohne Finanzdienstleistungen – hat Porsche sogar nur 90 Millionen Euro verdient. Der Umsatz ging um 9,5 Prozent auf nun 36,3 Milliarden Euro zurück, was einer operativen Umsatzrendite von 1,1 Prozent (Vorjahr 14,1 Prozent) entsprach. In den ersten drei Monaten lag die Konzernumsatzrendite zwar immer noch unter dem Vorjahreswert und weit entfernt von den einst zweistelligen Renditen, aber stabilisierte sich bei einem leicht gesunkenen Umsatz bei 7,1 Prozent. Die Zahlen für das erste Halbjahr stellt Porsche am kommenden Mittwoch vor.
Wie das VW-Management in Wolfsburg weiter verfahren will, dazu könnte es am Freitag weitere Informationen geben. Dann legt der Konzern seine Zahlen für das abgelaufene erste Halbjahr vor. Die Porsche AG wird dann am kommenden Mittwoch ihr komplettes Zahlenwerk für das abgelaufene erste Halbjahr präsentieren. Erwartet wird, dass die operative Rendite des Sportwagenherstellers zwischen sieben und acht Prozent liegen könnte. Das wäre besser als im vergangenen Jahr, aber immer noch weit unter den zweistelligen Renditen früherer Jahre.
