Wir leben in Zeiten, die uns einiges Kopfzerbrechen bereiten. Deshalb fragen wir in dieser Serie, was interessante Köpfe gegenwärtig bedenkenswert finden. Heute antwortet die Politikwissenschaftlerin María do Mar Castro Varela, die an der Alice Salomon Hochschule Berlin lehrt.
DIE ZEIT: Frau Castro Varela, Sie haben gemeinsam
mit Bahar Oghalai ein Buch über Freundschaft als politische Praxis veröffentlicht.
Warum braucht es in diesen Zeiten ein neues Nachdenken über Freundschaft?
Castro Varela: Vielleicht gibt die
Entstehungsgeschichte des Essays eine Antwort auf Ihre Frage: Ich wurde vor ein
paar Jahren darum gebeten, einen Vortrag zu Allyship zu halten und war mit dem
Begriff, dem Konzept dahinter, nicht vollends vertraut. Ich kannte ihn aus
politischen Kontexten und wusste, dass damit Verbindungen gemeint sind, die
zwischen dem Politischen und dem Privaten changieren, also so etwas wie politische Freundinnenschaft. Aber der Begriff hat für mich eine gewisse Kälte,
die mich skeptisch machte.
