Vernunft allein ist ein schlechtes Verkaufsargument. Ein gutes Produkt braucht Begeisterung, Emotion und Identität. In Rüsselsheim weiß man das. Opel pflegt wohl deshalb ein Faible für den Sport, ob Handball, Rallye oder Formel E.
Engagements, die jenes Kribbeln erzeugen sollen, das sich aus keinem Datenblatt herauslesen lässt. Erst recht in Zeiten der Elektromobilität. GSi, GT und OPC sind längst Geschichte, schade eigentlich. GSE, Grand Sport Electric, heißt das neue Zauberwort, das seit 2022 Elektronen in Wallung bringt.
Nun trägt auch der Corsa dieses Signet. Mit 281 PS und 345 Newtonmetern ist er der bislang stärkste seiner Baureihe. Die Leistung, nur im Sportmodus verfügbar, kann der gut 1,5 Tonnen schwere Hot Hatch gut gebrauchen, muss er doch, anders als seine Brüder zuvor, eine 51 kWh große Batterie mitschleppen. Immerhin sitzt deren Gewicht tief und drückt den Schwerpunkt nach unten.

In 5,5 Sekunden geht es auf Tempo 100. Anders als im Mokka GSE sind jedoch nur 180 km/h Spitze möglich, Grund sind trotz 18-Zoll-Felgen kleinere Raddurchmesser, die die Ingenieure zugunsten einer besseren Beschleunigung wählten.
Die Stellantis-Plattform STLA Small ist an manchen Stellen der limitierende Faktor. So beträgt die Ladeleistung weiterhin maximal 100 Kilowatt, was mittelmäßig ist. Und der eckige Digitaltacho wirkt im Großserientrimm so langweilig wie lieblos, was enttäuscht. Warum keine eigene Sportanzeige?

An anderer Stelle durften die Ingenieure freier walten. Vierkolbenbremsen von Alcon krönen das Serienbremssystem, hinzu kommen ein mechanisches Sperrdifferenzial, ein überarbeitetes Fahrwerk mit 25 Millimeter Tieferlegung und breiterer Spur. Dennoch rollt der Corsa nicht so harsch ab wie der Mokka GSE, zum Glück.
Angemessen sportliche Sitze, nicht zu eng, aber gut zupackend, sind dem Fahrspaß zuträglich, wenn der Fronttriebler die Kurve kratzt. Dank überarbeiteter Lenkung lässt er sich präzise ums Eck manövrieren, das haben sie gut hinbekommen. Wer mehr Grip will, nimmt den Michelin Pilot Sport 4S, büßt dafür aber 20 Kilometer Normreichweite ein, es bleiben 350.
Optisch trägt der GSE dick auf, mit breiterer Spur, gelben Bremssätteln und kantigeren Stoßfängern. Er sieht aus, als käme er von einem Tuningtreffen, seine künstlichen Tönchen würden dort wohl eher für ein Schmunzeln sorgen. Ab sofort lässt sich der kleine Sportsfreund konfigurieren, gewiss knackig ist der Preis von knapp 40.000 Euro.
