
Ausstellungen von Performancekünstlern sind oft eher spröde. Denn in aller Regel ist der mal irritierende, mal magische Moment, auf den es hier entscheidend ankommt, längst vorbei. Die Performance ist gewesen, denn der sprichwörtliche Augenblick will nun mal nicht verweilen. Sodass meist wenig mehr bleibt im Kontext einer institutionellen Schau als eine Dokumentation in mal bewegten und mal unbewegten Bildern. So hat man nicht erwarten können, was ein Rundgang durch die Räume der Oberfinanzdirektion Frankfurt beweist: Diese Ausstellung mit Arbeiten von Stefanie Trojan und Robert Barta ist fraglos eine der unterhaltsamsten, seit Kurator Giselher Hartung die Reihe des „Gemischten Doppels“ aufgelegt hat.
Dabei lässt der Kommentar eines gewissen R. Barta im Gästebuch an Deutlichkeit erst einmal nichts zu wünschen übrig. „So eine blöde Ausstellung!“, hat der 1975 in Prag geborene Künstler hier auf den Besucherseiten hinterlassen. Was man unbedingt eine Empfehlung nennen darf. Denn tatsächlich ist, wer in den Räumlichkeiten der Behörde nach edler Einfalt, stiller Größe und dergleichen sucht, hier auf den ersten Blick grundfalsch. „I Like To Smile“ ist die Ausstellung denn auch nicht ohne Grund überschrieben. Und besonders dem vornehmlich der Skulptur verpflichteten Barta sitzt noch stets der Schalk im Nacken.
Eine „Lieblingsblume“ ins Knopfloch
Gleich ob er seine zehn Jahre alte Jeans ausstellt, die eigenen Einlegesohlen in Bronze gießt oder mit „Nevermind“ das Missgeschick des Heimwerkers ins auf Styrodur festgehaltene Bild setzt, Bartas Sinn für Komik zaubert dem Besucher noch stets ein Lächeln ins Gesicht. Geht doch der Künstler fast immer von der Erfahrung in unser aller Alltag aus. Nur dass die Dinge – eine Hose, ein Bierdeckel, ein Bleistift oder der berühmte Nagel in der Wand – mitunter nicht so funktionieren, wie wir es erwarten. Sondern machen, was sie wollen. Die Verunsicherung, die sanfte Verstörung, die der Welt und allen Dingen innewohnt, schaut man nur genauer hin, ist unterdessen immer schon Kern von Stefanie Trojans performativer Praxis.
Dabei spricht die einstige Meisterschülerin von Asta Gröting, taucht sie etwa im Rahmen einer Vernissage, im öffentlichen Raum oder im Museum auf, nie auch nur ein Wort. Vielmehr geht sie still und leise auf Passanten und Besucher zu, umarmt sie, hält sie fest und lässt sie nicht mehr los. So, dass man sich vor Verlegenheit schlicht nicht zu helfen weiß. Und sich wundert, wie einem da geschieht. Gleich, ob sie bloß die Schuhbänder von zwei, drei oder vier zufällig beieinander stehenden Gästen verknotet, sich in der Fußgängerzone vor aller Passanten Augen auf die Toilette setzt oder ob sie einem wildfremden Menschen eine „Lieblingsblume“ ins Knopfloch steckt, ihn daran riechen lässt oder sie kurzerhand zerrupft: Trojans Performances sind angesichts der ihnen eingeschriebenen Intimität noch stets mit einer gewissen Scham auf Seiten des Betrachters verbunden.
Zwar entkommt im Ausstellungsraum auch Trojans Werk nicht dem Dilemma des versäumten Augenblicks. Es fehlt die Gegenwärtigkeit und Anwesenheit von Künstlerin und Publikum in einem Raum, im gleichen Augenblick. Bleibt doch angesichts der fotografischen Dokumentation sowie der Relikte – Stricke etwa, Kabelbinder und ein Strauß lange schon verblühter „Lieblingsblumen“ – die Performerin in ihrer eigenen Welt. Und der Betrachter auf Distanz. „I Like To Smile“ aber bewahrt immerhin das Lächeln. Und das ist nicht das Schlechteste, was sich von einer Kunstausstellung sagen lässt.
Stefanie Trojan und Robert Barta, „I Like To Smile“. Oberfinanzdirektion Frankfurt, Zum Gottschalkhof 3. Bis 16. Oktober montags bis freitags von 17 bis 20 Uhr geöffnet.
