
Nach vier Wochen hat die aufsehenerregende Flucht von Hendrik Holt ein Ende gefunden. Behörden in Dubai haben den verurteilten Windparkbetrüger festgenommen. Nun wartet der 36 Jahre alte, gebürtige Emsländer auf seine Überstellung an die deutschen Behörden.
Im Laufe des Tages hatten sich die Hinweise verdichtet, dass die Fahndung nach Holt erfolgreich war. Der Gesuchte hielt sich nach F.A.Z.-Informationen zuletzt in den Vereinigten Arabischen Emiraten auf. Dort soll er schon am Dienstag von den Behörden festgenommen worden sein. Ein Sprecher der Staatsanwaltschaft Osnabrück bestätigte am späten Mittwochnachmittag, dass der gesuchte Verurteilte aufgrund gemeinsamer Fahndungsmaßnahmen der Anklagebehörde und der Direktionsfahndung der Zentralen Kriminalinspektion Osnabrück am 22. September in Dubai festgenommen worden sei. Nach Holt war seit mehreren Wochen weltweit per Europäischen Haftbefehl gesucht worden.
Flüchtiger lässt Frau und Kind zurück
Holt war am Abend des 25. August 2026 nicht von einem genehmigten, unbegleiteten Ausgang in die Justizvollzugsanstalt Berlin zurückgekehrt. Dort saß der Niedersachse seit Sommer 2023 ein. Das Landgericht Osnabrück hatte ihn im Jahr 2022 unter anderem wegen banden- und gewerbsmäßigen Betrugs, Bestechung und Urkundenfälschung zu einer Gesamtfreiheitsstrafe von fast neun Jahren verurteilt.
Im Oktober 2025 war Holt in Berlin in den offenen Vollzug gewechselt. Er konnte sich tagsüber frei bewegen, seine Ehefrau und die gemeinsame Tochter besuchen und mit Journalisten und Streamern über seine Zeit im Gefängnis sowie mögliche Pläne für die Zukunft sprechen. Die Bedingungen waren klar: Am Abend musste Holt in die Justizvollzugsanstalt zurückkehren.
Lebenszeichen aus Russland
Doch der Häftling, der einst als Wunderkind der Windkraftbranche gefeiert worden war, kehrte nicht zurück. Er ließ seine Frau und seine kleine Tochter zurück. Aufgrund weiterer Informationen gingen die Ermittler von einer Flucht aus. Kurz darauf meldete sich Holt über einen Instagram-Account bei seinen mehr als 60.000 Followern – mit einem Bild und einem Video, die auf einen Aufenthalt in Moskau hindeuteten. Holt inszenierte sich auf der Flucht und schrieb: „Liebesgrüße aus Moskau sehr schön hier der Kaviar ist fantastisch“.
Zur Herkunft und Echtheit des Beitrags machte die Staatsanwaltschaft damals keine Angaben. Danach verlor sich Holts Spur – bis die Ermittler in dieser Woche in der mehrere tausend Kilometer entfernten Golfregion zugreifen konnten.
Windparks gab es nur auf Papier
Holt und seine Familie hatten über mehrere Jahre Windparks vermarktet, die nur auf dem Papier existierten. Für die erforderlichen Genehmigungen von Kommunen fälschten sie im großen Stil Unterschriften. Mit diesen Planungsunterlagen warb die Unternehmensgruppe um Gelder ausländischer Energiekonzerne. Mehrere Investoren fielen darauf herein. Der Schaden liegt im niedrigen zweistelligen Millionenbereich. Außerdem bestach Holt ausländische Diplomaten, um sich im Fall einer Strafverfolgung durch deutsche Behörden auf deren Immunität berufen zu können.
Der Schwindel flog auf, als eine Mitarbeiterin einer Gemeinde ihre gefälschte Unterschrift in den Planungsunterlagen eines angeblichen Windparks entdeckte und Anzeige erstattete. Mit dem ergaunerten Geld finanzierte Holt seinen luxuriösen Lebensstil. Seine Festnahme im Frühjahr 2020 erfolgte in einer Suite des Berliner Hotels Adlon. Dabei beschlagnahmten die Fahnder Luxuslimousinen, Schmuck und Bargeld.
