
Die IG Metall will der großen Tarifrunde der Metall- und Elektroindustrie Lohnerhöhungen von fünf Prozent durchsetzen. Außerdem verlangt sie eine tarifvertraglich abgesicherte Gewinnbeteiligung für Beschäftigte ertragsstarker Unternehmen. Das hat ihr Vorstand am Mittwoch beschlossen. Er folgte damit der Marschroute der regionalen Tarifkommissionen der Gewerkschaft. Sie hatten schon am Dienstag entsprechende Beschlüsse gefasst.
„Wir gehen mit kämpferischem Realismus in die Verhandlungen“, erklärte die IG-Metall-Vorsitzende Christiane Benner. „Verzicht bringt nichts voran.“ Die Tarifverhandlungen für die Metall- und Elektroindustrie, die insgesamt 3,7 Millionen Beschäftigte zählt, beginnen Anfang Oktober. Von Anfang November an könnte die IG Metall den Druck durch Warnstreiks erhöhen.
Benner trat mit ihrer Positionierung der Kritik von Arbeitgebervertreter entgegen, die schon am Dienstag die Fünf-Prozent-Forderung scharf zurückgewiesen hatten. Der Präsident der Metall-Arbeitgeber in Nordrhein-Westfalen, Arnd G. Kirchhoff, kritisierte sie als „eindeutig zu hoch und völlig unrealistisch“. Die Industrie befinde sich in der tiefsten Strukturkrise seit Gründung der Bundesrepublik.
„Verlagerungsdrohungen akzeptieren wir nicht.“
Benner wies dieses Lagebild zurück. Es treffe zumindest für große Teile der Metall- und Elektroindustrie nicht zu. „Statt Krisenrhetorik, Angriffen auf soziale Standards und Schwarzmalerei erwarten die Beschäftigten sichere Jobs, Ausgleich für gestiegene Preise und einen gerechten Anteil an den Gewinnen der Unternehmen“, sagte sie. „Verlagerungsdrohungen als Ablenkungsmanöver von Managementversagen akzeptieren wir nicht.“
Die Metall-Tarifverträge überspannen etliche Industriezweige. Die beiden größten sind die krisengeplagte Autoindustrie mit noch etwa 700.000 Beschäftigten und der Maschinenbau mit einer Million. Es gehören aber auch Eisengießereien dazu, ebenso vergleichsweise ertragsstarke Branchen wie Schiffbau, Raumfahrt und Medizintechnik. Seit 2019 ist die Gesamtzahl der Beschäftigten in der Metall- und Elektroindustrie um 350.000 gesunken.
Gibt es eine „profitgetriebene Deindustrialisierung“?
Die IG-Metall-Vorsitzende warf den Konzernen auch eine „profitgetriebene Deindustrialisierung“ vor. Die Beschäftigten müssten die Zeche zahlen für Fehlentscheidungen von Managern, den Druck durch Billigkonkurrenz aus China und höhere US-Zölle. Statt „Angriffen“ auf soziale Standards erwarteten die Menschen sichere Jobs, Ausgleich für gestiegene Preise und einen gerechten Anteil an den Gewinnen der Unternehmen.
Nach Ansicht der Gewerkschaft steht nur ein Drittel der Unternehmen unter Druck. Sie stützt sich dabei auf eine Umfrage unter Betriebsräten. In solchen zeigt sich IG Metall grundsätzlich dazu bereit, Betrieben durch abweichende Regelungen eine Entlastung vom angestrebten Tarifabschluss ermöglichen. Einige sogenannte Differenzierungsinstrumente sehen die Tarifverträge jetzt schon vor.
Es sei zu prüfen, ob diese vorhandenen Instrumente zur Krisenbewältigung ausreichten, erklärte Nadine Boguslawski, die im IG-Metall-Vorstand das Ressort Tarifpolitik verantwortet. „Von einzelnen Krisenunternehmen lassen wir uns aber nicht die ganze Branche herunterziehen.“ Lohnerhöhungen seien auch ein Beitrag zur Stärkung der Konsumnachfrage und damit der Wirtschaft.
Der Präsident des Arbeitgeber-Dachverbands Gesamtmetall, Udo Dinglreiter, forderte von der IG Metall am Mittwoch „passende Antworten auf die tatsächliche Lage“ in den Betrieben. „Wir haben nicht den Luxus, über die Verteilung von Zuwächsen verhandeln zu können“, warnte er.
