Beim Großbrand im Müritz-Nationalpark explodiert immer wieder alte Munition, die dort lagert. Das sei deutlich hörbar, sagte ein Sprecher des Landkreises Mecklenburgische Seenplatte der Deutschen Presse-Agentur. «Das hören die Kameraden tatsächlich, wenn sie gerade nicht irgendwie neben einer Pumpe stehen.» Dabei gehe es auch um größere Kaliber, auf dem ehemaligen Truppenübungsplatz seien in der Vergangenheit etwa Panzersprenggranaten gefunden worden.
Wegen der Belastung mit Alt-Munition kann die Feuerwehr nicht direkt an den Brand heran. Sie versucht stattdessen, das Feuer von außen einzudämmen, etwa durch die Bewässerung mit Kreisregnern. Diese Art Wassersprenger wird zur Bewässerung genutzt, um das Feuer einzudämmen.
Zuletzt betrug die vom Brand betroffene Fläche laut Landkreissprecher mehr als 200 Hektar. Etwa 330 Einsatzkräfte seien vor Ort, darunter auch Löschzüge aus anderen Teilen Mecklenburg-Vorpommerns. Technik komme auch aus anderen Bundesländern. Es seien weitere Kreisregner angefordert. «Die kommen jetzt aus Bayern, Sachsen und Brandenburg.»
Einen derartigen Brand habe es in jüngster Vergangenheit in der Region nicht gegeben. Man sei sich der Gefahr aber bewusst gewesen, sagte der Sprecher. So habe es im Oktober 2024 im betroffenen Gebiet eine entsprechende Übung gegeben.
Evakuierung bleibt bestehen
Zuletzt bewegte sich das Feuer laut dem Sprecher weiter in Richtung der Ortschaft Granzin. Demnach befand es sich etwa 1.200 Meter vom ersten Haus entfernt. Zwischen Waldgrenze und Siedlung gebe es einen Acker, der mehrfach umgepflügt worden sei, um brennbares Material unter die Erde zu bekommen. Außerdem seien auch dort Kreisregnern aufgebaut worden.
Die bereits am Dienstagabend angeordnete Evakuierung der Orte Granzin und Granziner Mühle bleibe bestehen. Granzin hat laut Website der Gemeinde Kratzeburg etwas mehr als 100 Einwohner.
Die Polizei bat am Nachmittag erneut, Rad- und Wanderwege im betroffenen Bereich nicht zu nutzen. Kanuten und Kanutinnen sollten nicht von den Seen in die Havel wechseln.
Herausforderungen für Wassersportler
Der jüngste Brand im Müritz-Nationalpark stellt den einen oder anderen Wassersportler unterdessen vor Herausforderungen. Ingo Hecht, der in Kratzeburg eine Kanuvermietung betreibt, hat nach eigener Aussage teils Schwierigkeiten, Ausflügler mit ihren Booten zurückzuholen. Bestimmte Wasserwege könnten nicht befahren werden, sagte er der Deutschen Presse-Agentur. Auch an Land seien Wege gesperrt, über die Kunden normalerweise samt ihrer Boote nach Touren zurückgefahren würden.
Einige Kunden seien schon mehrere Tage unterwegs, hätten wohl ihre Handys ausgeschaltet und vom Brand gegebenenfalls zunächst gar nichts mitbekommen. Man schaue nun, wie man sie wieder zurückhole.
Generell laufe in seinem Verleih «Sparprogramm». Die Hälfte der Belegschaft helfe ohnehin bei der Brandbekämpfung etwa als Teil der freiwilligen Feuerwehr. Aktuell könnten Kunden nur eine deutlich kleinere Strecke fahren. Die Nachfrage sei geringer als sonst. Es sei das erste Mal, dass ein Brand den Kanuverleih derartig einschränke.
Radweg Berlin-Kopenhagen betroffen
Andernorts an der Seenplatte wirkt sich das Feuer hingegen nicht aus. So sei der östliche Teil des Nationalparks nicht betroffen, sagte eine Sprecherin des Tourismusverbands Mecklenburgische Seenplatte. «Es gibt dann eben auch noch die anderen Gebiete südlich davon, wo auch weiterhin uneingeschränkt touristische Aktivitäten stattfinden können.» In Mirow etwa bekomme man nichts von dem Feuer mit. Das gelte auch für andere Urlaubsorte an der Seenplatte. Generell sei nur ein kleiner Teil des Nationalparks betroffen.
Einschränkungen gebe es allerdings für einen Radfernweg: «Der Berlin-Kopenhagen-Radweg zum Beispiel ist aktuell nicht befahrbar durch den Nationalpark.» Es gebe aber eine Ausweichstrecke. «Der Berlin-Kopenhagen-Radweg führt jetzt auf einer anderen Route von Neustrelitz nach Waren.»
Der Landkreis bat Landwirte dabei zu helfen, Einsatzkräfte zu entlasten. Sie sollten etwa beim Ernten Eggen und Wassertanks bereithalten, um entstehende Brände zügig eigenständig bekämpfen zu können. «Das nimmt weiteren Druck von den Einsatzkräften im Landkreis.» In den zurückliegenden Tagen hatte es wiederholt auf Feldern im Norden gebrannt.
Einsatz dürfte sich noch Tage hinziehen
Gemeldet wurde der jüngste Brand am Montag. Seitdem läuft der Einsatz. Die Einsatzkräfte rechnen laut Landkreissprecher nicht damit, dass Regen schon in der Nacht zu Donnerstag oder am Donnerstag nennenswert zur Entspannung der Lage beiträgt. Die Hoffnung, dass Regen in nennenswerter Menge in der Region ankomme, richte sich weiter in Richtung Ende der Woche. So oder so werde der Einsatz noch Tage dauern.
Der Schweriner Umweltminister Till Backhaus (SPD) will unterdessen am Donnerstag in die betroffene Region fahren. Für den Vormittag ist eine Pressekonferenz vor Ort geplant.
Erst Ende Juni war ein Brand auf einem anderen, aber nahe gelegenen Truppenübungsplatz im Nationalpark ausgebrochen. Mehr als 100 Hektar waren betroffen. Der dortige Einsatz dauerte ebenfalls mehrere Tage. Auch dabei handelte es sich um munitionsbelastetes Gelände.
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