
Die chinesische Regierung hat am Montag die Ausweisung der „New York Times“-Korrespondentin Vivian Wang bestätigt. Als Grund nennt die Regierung ein Interview, das die „New York Times“ im Dezember mit Taiwans Präsidenten Lai Ching-te geführt hatte. Er war in dem Interview online per Video zu einer Konferenz der Zeitung zugeschaltet worden. Vivian Wang hatte damit nichts zu tun.
Korrespondenten berichten immer wieder von Drohungen
Auch die taiwanische Regierung antwortete auf die Ausweisung. „Taiwan wird sich durch Unterdrückung nicht zum Schweigen bringen lassen“, erklärte Karen Kuo, die Sprecherin des taiwanischen Präsidialamtes, in einer Stellungnahme am Sonntag. Taiwan werde der internationalen Gemeinschaft weiterhin auf stabile und verantwortungsvolle Weise seine Position darlegen und mit gleichgesinnten Partnern zusammenarbeiten, um Demokratie, Pressefreiheit sowie Frieden und Stabilität in der Taiwanstraße und der Region zu wahren.
Wangs Ausweisung ist eine „drastische Einschränkung“
Joseph Kahn, Chefredakteur der „New York Times“, erklärte, Wangs Ausweisung stelle eine „drastische Einschränkung“ der Möglichkeiten für Reporter US-amerikanischer Nachrichtenorganisationen dar, in China zu leben und von dort zu berichten. Die Zahl der Korrespondenten von US-Medien, die in China arbeiten dürfen, sei auf ein alarmierend niedriges Niveau gesunken, berichtet die Nachrichtenagentur Bloomberg.
Anfang des Monats hatte Chinas Staatspräsident Xi Donald Trump beim Gipfeltreffen in Peking gewarnt, jede „falsche“ Handhabung der Taiwan-Frage könne zu „Zusammenstößen“ zwischen den Supermächten führen. Der US-Präsident stellte daraufhin die Genehmigung eines US-Waffenverkaufs im Wert von 14 Milliarden Dollar an Taipeh zurück und bezeichnete diese als Verhandlungsmasse. Zudem verzichtete US-Verteidigungsminister Pete Hegseth am Samstag in seiner Eröffnungsrede beim Shangri-La-Dialog in Singapur darauf, Taiwan zu erwähnen. Es war das erste Mal seit mindestens einem Jahrzehnt, dass ein Pentagon-Chef bei dem Verteidigungsforum darauf verzichtete.
