Der Ort blieb bis zuletzt geheim. Aus Sicherheitsgründen. Kurz nach halb Sieben am Donnerstagabend tauchte Prinz Harry dann aber am Old Royal Naval College in Greenwich im Südosten Londons auf, im dunklen Anzug und mit Fliege, ganz dem Anlass angemessen. Erstmals wurden die Invictus Spirit Awards verliehen, ausgezeichnet wurden Veteranen, die auch an Harrys Invictus-Spielen teilgenommen haben, einem internationalen Sportereignis für verwundete, verletzte und kranke Militärangehörige.
Harry hatte die Spiele 2014 gegründet. Die neu geschaffene Auszeichnung soll „diejenigen würdigen, die Großes erreicht, andere erhoben, Widrigkeiten überwunden, den Sport zur Genesung vorangebracht oder herausragendes Engagement für die Invictus-Bewegung gezeigt haben“.
Harry, selbst ein Veteran, trug seine militärischen Ehrenabzeichen, darunter eine Medaille aus seinem Afghanistan-Feldzug, drei Medaillen zu Ehren des goldenen, diamantenen und platinen Thronjubiläums seiner Großmutter sowie den ebenfalls von Elisabeth II. verliehenen Ritterorden. Die Königin hatte ihn 2015 zum Knight Commander des Royal Victorian Order für seine besonderen Verdienste für die Krone ernannt – kurz vor dem Ende seiner zehnjährigen aktiven Militärdienstzeit in der britischen Armee, die auch zwei Einsätze in Afghanistan umfasste.

Es war Harrys erster offizieller Auftritt seit seiner Rückkehr im Königreich. Der Herzog von Sussex war bestens gelaunt, machte Selfies mit den Veteranen und posierte auch mit Mitgliedern der Band of The Irish Guards und ihrem Maskottchen, einem Irischen Wolfshund mit Namen Turlough Mór. Auf die Frage, wie es ihm gehe, antwortete er kurz: „Gut. Es ist gut, wieder auf britischem Boden zu sein.“
Zum Geburtstag blieb die Familie unter sich
Dabei haben sich Prinz Harry und seine Frau Meghan das Leben im Königreich offenbar einfacher vorgestellt. Das Hintertürchen zurück in den Palast hat König Charles III. ihnen mit einem unmissverständlichen Brief versperrt. Sie bleiben bis auf Weiteres draußen. Statt königlicher Rundumbetreuung müssen die beiden mit ihren Kindern nun selbst sehen, wie sie ihren Alltag gewuppt bekommen.
Am Dienstag galt es zunächst, Harrys 42. Geburtstag zu feiern. Die Familie blieb offenbar unter sich, statt großer Party gab’s einen Ausflug ins Grüne mit den Kindern Archie und Lilibet. Meghan teilte auf Instagram ältere Bilder von einem Skiurlaub und neue Videoausschnitte, die offenbar in der idyllischen Landschaft der englischen Cotswolds entstanden sind. Dazu singt das Duo The Hound + The Fox aus dem amerikanischen Oregon den Tina-Turner-Klassiker „Simply The Best“. Es sollte also auch eine musikalische Liebeserklärung von Meghan an ihren Mann Harry sein.
Am selben Tag wurde bekannt, dass der sieben Jahre alte Archie und seine zwei Jahre jüngere Schwester Lilibet nach nur zwei Tagen an ihrer neuen Schule diese schon wieder verlassen müssen. Wegen Sicherheitsbedenken: Der Weg zur Schule sei zu weit, statt 35 Minuten dauerte die Fahrt im Konvoi mit den Sicherheitsleuten mehr als eine Stunde. Dabei hatte das Sicherheitsteam die Schule schon im Sommer geprüft, doch offenbar ohne den Berufsverkehr zu berücksichtigen.
„Wir heißen Meghan willkommen“
Hinzu kommt, dass Meghan selbst die Sicherheitslage noch verschärft haben soll, indem sie ihre private Mobilnummer preisgab. Die Mütter an der neuen Schule hatten sie zu einer gemeinsamen Whatsapp-Gruppe hinzugefügt: „Wir heißen Meghan willkommen, Archie wird von morgen an bei uns sein“, schrieb eine Mutter. „Willkommen!!“, schrieb eine andere. Und Meghan antwortete darauf: „Hallo Mamas! Danke für das herzliche Willkommen. So glücklich, Teil dieser Gemeinschaft zu sein.“ Das war nett gemeint, aber der Chat gelangte nur wenig später an die Öffentlichkeit.
Auch Harrys Vater Charles zog es diese Woche ins Grüne. Aber nicht nur zum Spaß: Der König besuchte am Mittwoch die Cairngorms, eine schottische Bergkette, in der es in diesem Sommer heftig gebrannt hatte. Am 15. Juli war ein Feuer ausgebrochen, das danach fast fünf Wochen lang im Gebiet Glenmore bei Aviemore brannte. Mehr als 3300 Hektar Land gingen in Flammen auf, Hunderte Feuerwehrleute waren damals im Einsatz. „Meine Frau und ich sind erschüttert über die verheerenden Auswirkungen der Waldbrände in diesem Sommer und die schreckliche Zerstörung, die sie an Häusern, Lebensgrundlagen und Landschaften angerichtet haben“, hieß es später dazu auf Instagram.
Nicht offiziell bestätigt, aber vielfach kolportiert wurde diese Woche auch, dass Camilla ihrem Mann Charles angeblich ein Ultimatum gestellt habe: Der Brief an Harry und Meghan, in dem Charles geschrieben hatte, dass die beiden Privatleute und keine „Königlichen Hoheiten“ mehr seien, reicht der Königin offenbar nicht. „Er oder ich“, soll sie zu Charles gesagt haben.
Camilla sei noch immer verärgert, dass Harry sie in seiner Autobiographie „Reserve“ 2023 als „gefährlich“ bezeichnet und darüber hinaus behauptet habe, sie hätte negative Geschichten über ihn an die Presse durchgestochen, um selbst in einem besseren Licht dazustehen. Der Wahrheitsgehalt der Geschichte darf zumindest bezweifelt werden: Camilla unterstützt ihren Mann eher, als dass sie ihn unter Druck setzen würde.
Prinzentag in den Niederlanden
Am Dienstag wurde in den Niederlanden groß gefeiert. Es war Prinsjesdag: An jedem dritten Dienstag im September wird das parlamentarische Sitzungsjahr offiziell eröffnet. Und das mit viel Pomp und der ganzen Königsfamilie. König Willem-Alexander und seine Frau Máxima fuhren in der sogenannten Gläsernen Kutsche in Den Haag vom Palast zum Stadttheater, wo die Abgeordneten derzeit tagen, weil das Parlamentsgebäude renoviert wird.

Die Gläserne Kutsche (Glazen Koets) ist der Ersatz für die Goldene (Gouden Koets), die Willem-Alexander 2022 ausgemustert hatte, weil ihre Seitenpaneele die Kolonialzeit der Niederlande verherrlichten. Die Gläserne Kutsche ist 200 Jahre alt und sogar noch 80 Jahre älter als die Goldene. Seit 2016 nutzt das Königspaar die Glazen Koets beim Prinzentag.
König und Königin wurden bejubelt, es gab aber auch Protest und sogar Festnahmen. Anhänger der Gruppe Extinction Rebellion (XR) vergossen rote Farbe an der Route der königlichen Kutsche. Ein XR-Sprecher warf der Regierung eine „gegen die Menschlichkeit“ gerichtete Klima-, Migrations- und Sozialpolitik vor. Gegner der Monarchie, die laut neuester Umfragen aber klar in der Minderheit sind, forderten einmal mehr die Umwandlung des Königreichs in eine Republik.
„Leve de Koning!“ – „Hoera! Hoera! Hoera!“
Die Beliebtheit der Königsfamilie verdankt sich zunehmend auch der Kronprinzessin. Die 22 Jahre alte Amalia begleitete mit ihren Schwestern Alexia und Ariane ihre Eltern. Im Theater saßen die drei neben Willem-Alexanders jüngsten Bruder Prinz Constantijn in der ersten Reihe. Am Ende der Thronrede erscholl wie stets dann der Ruf: „Leve de Koning!“ (Es lebe der König!). Worauf alle im Chor antworteten: „Hoera! Hoera! Hoera!“ Zum Abschluss des Tages zeigte sich die ganze Familie auf dem Balkon des Schlosses.
In Québec sind verschollene geglaubte Juwelen zu sehen
Im fernen Kanada, das diese Woche aber noch näher an Europa gerückt ist, sind im Musée national des beaux-arts du Québec nun die lange verschollen geglaubten Juwelen und Schmuckstücke der österreichischen Kaiserinnen und Kaiser zu sehen. Der private Familienschatz der Habsburger war 1940 nach Kanada gelangt und dort in einem Bankschließfach verwahrt worden.

Niemand sollte von ihrem Verbleib erfahren, hatte die letzte österreichische Kaiserin Zita verfügt. Ihr Enkel, Karl Habsburg-Lothringen, erfuhr erst im vergangenen Jahr von dem 1918 aus der Wiener Hofburg in die Schweiz verbrachten Familienschatz, zu dem auch der berühmte Florentiner zählt, ein 137 Karat schwerer Diamant, der einst auch schon Kaiserin Maria Theresia gehörte.
Der Schmuck befindet sich inzwischen in der Obhut des kanadischen Treuhandfonds Fiducie Saint-Joseph. Eine österreichische Kommission prüft derzeit, ob Österreich Ansprüche auf den Schatz stellen kann. Karl Habsburg-Lothringen wiederum will mit der Ausstellung auch Dank dafür sagen, dass seine Familie 1940 in Québec einen sicheren Zufluchtsort vor der Verfolgung durch die Nationalsozialisten fand.
Zitas Mann, Kaiser Karl I., war schon 1922 im Alter von 34 Jahren an einer Lungenentzündung gestorben. Die beiden hatten acht Kinder. Zita war mit ihren Kindern nach dem Angriff der Deutschen auf Belgien und Frankreich nach Nordamerika geflohen. Dort lebte sie 13 Jahre lang in der Villa Saint-Joseph im heutigen Québec. 1953 kehrte sie nach Europa zurück, der Schmuck der Habsburger aber blieb in Kanada. Zita starb 1989 im Alter von 96 Jahren in der Schweiz.
