
In Nigeria sind 37 illegale Bergarbeiter im Gewahrsam einer paramilitärischen Einheit ums Leben gekommen. Die Männer waren in dieser Woche bei einer Razzia des „Nigerianischen Korps für Sicherheit und Zivilschutz“ (NSCDC) im Bundesstaat Niger festgenommen worden, wo sie ohne Erlaubnis nach Gold schürften. Als die Todesfälle bekannt wurden, kam es in der Nacht zum Freitag in der Stadt Minna zu Protesten wütender Anwohner, vor allem Jugendliche zogen auf die Straßen und skandierten „Justice must be done“, der Gerechtigkeit muss Genüge getan werden.
Leichen in einem Krankenhaus
Die Einheit hatte zunächst mitgeteilt, die Bergarbeiter seien vermutlich an einer Krankheit gestorben. Später hieß es, die Todesursache sei noch nicht ermittelt worden. Ein Kamerateam der Nachrichtenagentur Reuters hatte vorher 33 Leichen im Krankenhaus der Stadt gefilmt, die Behörden bestätigten schließlich den Tod von 37 Menschen. Nigerias Innenminister kündigte umfassende Ermittlungen an, der Kommandant der paramilitärischen Einheit, die dem Ministerium unterstellt ist, wurde vom Dienst suspendiert. Die Aufgaben der Einheit bestehen eigentlich darin, Kriminalität vorzubeugen und kritische Infrastruktur wie Ölleitungen und Stromnetze zu schützen.
Ein Überlebender sagte der Nachrichtenagentur AP, die Sicherheitskräfte hätten 65 Bergarbeiter in eine kleine, schlecht gelüftete Zelle gesperrt, wo vermutlich 37 von ihnen erstickt seien. „Wir merkten plötzlich, dass wir nicht mehr atmen konnten, und versuchten alles, um an frische Luft zu gelangen.“ Die Gefangenen hätten an die Tür der Zelle geschlagen, um auf sich aufmerksam zu machen.
„Eingepfercht in einer Zelle“
Die Mutter eines Gefangenen berichtete einem Reuters-Reporter, sie habe ihren Sohn eingepfercht mit vielen anderen in der Zelle gesehen, bevor sie von seinem Tod informiert wurde. Die Aufseher hätten ihr nicht erlaubt, den Gefangenen Essen zu bringen und hätten umgerechnet 75 Dollar für ihre Freilassung gefordert.
Ein nicht verifiziertes Video in den sozialen Medien legte nah, dass es sich bei den meisten Opfern um Jugendliche handelt. Freiwillige Helfer mit Handschuhen waren neben den Leichen zu sehen und verschleierte Frauen, die versuchten, ihre Angehörigen zu identifizieren. Der Gouverneur des Bundesstaats bezeichnete die Todesfälle als „traurig und tragisch“ und ordnete eine drei Tage lange Trauerzeit an.
Der illegale Bergbau, der oft auch als informell bezeichnet wird, ist in vielen afrikanischen Ländern weit verbreitet. Teils graben die Arbeiter auf eigene Faust nach verbliebenen Rohstoffen in stillgelegten Minen oder auf Schutthalden, teils arbeiten sie für kriminelle Syndikate.
