Der Mond ist einem ständigen Bombardement von Asteroiden ausgesetzt. Davon zeugen die unzähligen Einschlagskrater auf seiner Oberfläche. Die meisten sind nur wenige Meter groß, viele noch kleiner. Schätzungsweise kommen pro Jahr 140 neue Krater hinzu. Doch viele bleiben wegen ihrer geringen Größe unerkannt. Jetzt haben amerikanische Wissenschaftler per Zufall einen ungewöhnlich großen Einschlagskrater auf dem östlichen Rand der von der Erde aus sichtbaren Mondscheibe entdeckt. Er hat einen Durchmesser von 222 Metern.

Der Einschlag war in den vergangenen zwei Jahren unbemerkt geblieben. Erst als Robert Wagner eine Aufnahme der Mondsonde „Lunar Reconnaissance Orbiter“ (LRO) der NASA auf seinem Computerbildschirm genauer betrachtete, fiel ihm die runde dunkle Struktur mit der hellen Umrandung auf, die auf älteren Aufnahmen des Orbiters noch nicht zu sehen ist. Obwohl der Einschlag gewaltig gewesen sein muss, ist er von keinem Teleskop auf der Erde oder im Weltraum beobachtet worden.
Der Krater sei der größte, den die NASA-Sonde seit ihrem Missionsbeginn vor 17 Jahren fotografiert hat, schreiben die Forscher in ihrer Studie. Er sei dreimal so groß wie der bisherige Rekordhalter, den LRO vor zehn Jahren entdeckt hatte. Ein solches Ereignis käme statistisch nur einmal in 132 Jahren vor. Vermutlich, so die Forscher, sei er sogar der größte Krater, der in der jüngsten Zeit in unserem Sonnensystem entstanden ist.
Der Einschlagskrater, der eine Tiefe von 43 Metern hat, ist bei Weitem nicht der größte Einschlagskrater auf dem Mond – der größte, das Südpol-Aitken-Becken auf der Mondrückseite, hat einen Durchmesser von rund 2500 Kilometern und eine Tiefe von etwa 13 Kilometern. Doch an dem frischen Krater, der nach dem amerikanischen Geologen und Vulkanologen Thomas McGetchin benannt ist, können die Forscher studieren, wie ein großer Einschlag die Mondoberfläche in seiner Umgebung verändert. Für künftige bemannte Mondmissionen, wie sie die NASA und China planen, könnten diese Erkenntnisse von großem Wert sein.
