
Leon Black, der einst mehr als 120 Millionen Dollar für Edvard Munchs Bild „Der Schrei“ zahlte und als milliardenschwerer Vermögensverwalter zu den scheinbar Unantastbaren gehörte, die der Sexualverbrecher Jeffrey Epstein reihenweise um sich und seinen Ausbeuterring gruppierte, fällt immer tiefer. Und doch scheint es knapp ein Jahr nach Beginn der Veröffentlichung der „Epstein Files“ durch das Justizministerium der Vereinigten Staaten noch ein langer Weg zu sein, bis das Verhältnis Blacks zu dem Sexualstraftäter aufgeklärt ist und gegebenenfalls geahndet werden kann.
Das Repräsentantenhaus entschied einstimmig
Ein weiterer Schritt dahin könnte immerhin sein, dass das US-Repräsentantenhaus nun einstimmig für eine Anklage gegen Black wegen Missachtung des US-Kongresses gestimmt hat. Der Multimilliardär war einer Vorladung vor einen Ausschuss des Repräsentantenhauses, in dem er über seine Beziehungen zu Epstein aussagen und Dokumente vorlegen sollte, nicht nachgekommen. Das berichtet die „New York Times“. Am 26. Juni hatte Black als Zeuge in einer nichtöffentlichen Sitzung des Ausschusses einige Antworten verweigert, weil die Abgeordneten Einsicht in Schweigegeldvereinbarungen im Kontext der Epstein-Verbindungen forderten.
Daraufhin wurde ihm eine förmliche Vorladung zugestellt, der Folge zu leisten er sich weigerte. Stattdessen reichte er seinerseits Klage gegen den Ausschuss und dessen republikanischen Vorsitzenden ein: Die Vorladungen seien „ungültig“ und überschritten die „Befugnis des Ausschusses“, private Informationen einzuholen. Black argumentiert außerdem, die Vorladungen würden „Frauen bloßstellen, die Wert auf ihre Privatsphäre legen und die keine bekannte oder öffentliche Verbindung zu Epstein haben“. Darüber, ob Black strafrechtlich verfolgt wird, muss jetzt das Justizministerium entscheiden. Verpflichtet ist es dazu nicht.
Die Liste der Vorwürfe gegen Black ist lang, und insbesondere seine Vernetzung mit dem Kunstbetrieb war eng. Von Epstein, zu dem er über Jahrzehnte enge Verbindungen unterhielt, ließ sich der Megasammler Black bei Kunstgeschäften finanziell unterstützen. So machte er ihn etwa – zumindest auf dem Papier – zum Direktor seiner wohltätigen Stiftung. Ein dreistelliger Millionenbetrag floss von Black an Epstein, mit dem der Sexualverbrecher für Dienste bei der Steuervermeidung entlohnt worden sein soll. Ob auch Black Sexualstraftaten begangen hat, wurde bislang nicht bewiesen.
Eine vom Downsyndrom betroffene Frau beschuldigte ihn 2023, sie als Minderjährige in Epsteins New Yorker Apartment vergewaltigt zu haben. Eine vorherige, ähnliche Klage einer anderen Frau war fallengelassen worden. In einem Vergleich mit den amerikanischen Jungferninseln zahlte Black überdies mehr als 60 Millionen Dollar, um einen möglichen Prozess gegen ihn im Zusammenhang der Epstein-Ermittlungen zu vermeiden.
